Baustoffindustrie erwartet im Sommer Einbruch

18. Februar 2009, 14:15
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Auftragslage bereits stark zweistellig rückläufig - 2008 erwirtschaftete die Stein- und keramische Industrie noch einen Umsatzzuwachs von 4,2 Prozent

Wien - Die österreichische Baustoffindustrie stellt sich auf raue Zeiten ein. "Nach einem guten Jahresergebnis 2008 mit einem Umsatzzuwachs von 4,2 Prozent auf 3,48 Mrd. Euro, warten wir gespannt auf den Einbruch, der sich vermutlich im Sommer 2009 einstellen wird", sagte der Geschäftsführer des Fachverbandes Stein- und keramische Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich, Carl Hennrich, heute, Mittwoch. 2010 wird die Finanzkrise voraussichtlich auch am Bau voll durchschlagen. Die Auftragslage hat sich bereits deutlich verschlechtert.

"Es ist sicher so, dass wir derzeit zweistellige Rückgangsraten im Auftragseingang haben", skizzierte Hennrich. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Bereits im Verlauf des Jahres 2008 sei er von "zweistelligen Zuwachsraten in den ersten Monaten" auf nur noch "1,7 Prozent per Ende September" geschrumpft, sprach Hennrich von einer "dramatischen Entwicklung".

Von den bisherigen realen Zuwächsen werde sich die Branche einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) zufolge bis 2013 verabschieden müssen und jährlich um 0,4 Prozent zurückgehen - mindestens, denn dieser Prognose sind die jetzigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zugrunde gelegt. "Inwieweit sich das weiter verschärft, werden die nächsten Monate zeigen - im Moment sieht es schlecht aus", so Hennrich.

Halbwegs ordentliches Ergebnis

Heuer wird die Baustoffindustrie "noch ein halbwegs ordentliches Ergebnis haben, aber vermutlich 2010 wird die Wirtschaftskrise auch am Bau voll durchschlagen, weil Industrie, Gewerbe und Wohnbau ihre Investitionen sehr stark zurückschrauben", so der Branchensprecher. Er rechnet für 2009 mit stagnierenden Umsätzen und einem Beschäftigtenrückgang um rund 5 Prozent. Im Vorjahr ging die Zahl der Beschäftigten bereits um 1,1 Prozent auf 14.750 Arbeitnehmer zurück.

In den vergangenen Jahren habe die Stein- und keramische Industrie mit kräftigen Zuwächsen im Export noch abfedern können, dass die Zuwachsraten im heimischen Hoch- und Tiefbau notleidend geworden seien. "Ganz schlimm wäre es, wenn der privat finanzierte Wohnbau wegen der Finanzkrise nun komplett zum Erliegen käme", sagte Hennrich.

Die konjunkturellen Gegenmaßnahmen der öffentlichen Hand würden einige Zeit brauchen, um Wirkung zu zeigen. Sie würden naturgemäß nur mit Verzögerung wirksam. Das Konjunkturpaket kommt allerdings ohnehin hauptsächlich Handwerkern wie zum Beispiel Installateuren oder Trockenbauern zugute , aber nicht den Bereichen Zement, Ziegel und Beton. Begünstigt würden aber auch die Bereiche Dämmstoffe und Dachziegel. "Klar profitieren wir als Stein- und keramische Industrie am Rande", räumte der Fachverbandschef ein.

Die Baustoffindustrie sei sehr stark vom Hoch- und Tiefbau abhängig. "Tatsache ist, dass die österreichischen Infrastrukturinvestitionen bis 2013 gesichert sind", so Hennrich. Es wäre aber wesentlich, sich heute schon damit zu beschäftigen, wie der Ausbau ab 2014 aussieht, "damit der Straßen- und der Schienenbau nicht allzu sehr absacken".

Kraftwerke als Sorgenkind

"Das größte Sorgenkind sind die Kraftwerke." Die E-Wirtschaft habe Aufträge im Volumen von 10 Mrd. Euro in der Schublade, die einen "wesentlichen Impuls für die Tiefbau" geben würden. Ebenfalls auf dem Wunschzettel der Branche steht eine gesteigerte Wohnbautätigkeit.

Derzeit würden für 2009/2010 jeweils 41.000 Wohnungen bewilligt. Viel zu wenig, wie der Fachverband befindet. "Wir brauchen eine Wohnbautätigkeit von 55.000 Wohnungen jährlich, um die Bilanz zwischen Angebot und Nachfrage zu halten", sagte Hennrich und verwies auf einen erwarteten Bevölkerungszuwachs von derzeit 8,3 auf 9,5 Millionen Menschen bis zum Jahr 2050. Alleine bis 2020 sollen 400.000 potenzielle Wohnungssuchende dazukommen.

Wackelnde Jobs

In der Baustoffindustrie wackeln 10 Prozent der Jobs. In den kommenden fünf Jahren sollen die Produktion und auch der Beschäftigtenstand deutlich einbrechen. Der Industriezweig fordert nun weitere kräftige Infrastrukturinvestitionen. Auch Neubauprojekte müssten rasch umgesetzt werden. Die Regierung soll die Stein- und keramische Industrie als Konjunkturmotor weiter antreiben, forderte der neue Obmann des Fachverbandes in der Wirtschaftskammer, Manfred Asamer, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. (APA)

 

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