E-Wirtschaft sieht Investitionsbedarf von 15 Milliarden

18. Februar 2009, 13:46
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Die E-Wirtschaft will damit nicht nur die Importabhängigkeit beim Strom beseitigen, sondern auch mehr als 100.000 Arbeitsplätze sichern

Wien - Die österreichische Elektrizitätswirtschaft könnte bis 2020 Investitionen mit einem Gesamtvolumen von 15 Mrd. Euro umsetzen und damit nicht nur die Importabhängigkeit bei Strom beseitigen, sondern auch mehr als 100.000 Arbeitsplätze sichern - allerdings müssten die politischen Weichen dafür rasch gestellt werden, sagte der neue VEÖ-Präsident Wolfgang Anzengruber am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

Bei dem errechneten Investitionsbedarf von 15 Mrd. Euro gehe es um fertige Projekte, die nur noch auf grünes Licht warten würden, erklärte Verbundchef Wolfgang Anzengruber. Das seien nicht immer neue Kraftwerke, sondern auch Modernisierungen bestehender Anlagen, etwa der Einbau leistungsstärkerer Turbinen.

Der Stromverbrauch in Österreich liege derzeit bei 70,9 Mrd. kWh (70,9 TWh) pro Jahr und wachse laut Wifo-Prognose um 1,7 bis 2,3 Prozent jährlich. Für heuer rechne er mit einer Stagnation des Verbrauchs, "aber es wird sicher Nachholeffekte geben", sagte Anzengruber. Auch die Stromimporte "werden in dieser Größenordnung steigen", wenn die Investitionen nicht umgesetzt werden. Derzeit werden 10 Prozent des inländischen Stromverbrauchs durch Importe gedeckt.

2007 wurden in Österreich 64,3 Mrd. kWh Strom erzeugt. 72 Prozent davon stammten aus erneuerbaren Energieträgern und davon wiederum der größte Teil - 38 Mrd. kWh - aus Wasserkraft. Modernisierungsbedarf sieht der Verband der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ) auch bei den thermischen Kraftwerken. Ein Drittel des in Österreich erzeugten Stroms stammt aus thermischen Anlagen, und davon die Hälfte aus Gaskraftwerken. "Der Wirkungsgrad muss massiv gesteigert werden", erklärte Anzengruber. Darüber hinaus müsse man auch in "starke Netze" investieren, denn "Kraftwerke ohne Netze sind amputierte Anlagen". Dabei gehe es nicht nur um Hochspannungsleitungen, sondern auch um das gesamte Verteilernetz, sonst "ist der Ausbau der Erzeugungskapazitäten sinnlos".

Mehr als alle Konjunkturpakete

Mit der geplanten Steigerung der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen um 14,3 Mrd. kWh pro Jahr (+34 Prozent) könnte nicht nur die Importabhängigkeit beseitigt werden, sondern man würde auch 6,6 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr vermeiden, rechnete der VEÖ-Präsident vor. Die Finanzierung des Investitionsbedarfs von 15 Mrd. Euro sei zwar "keine leichte Fingerübung", aber machbar. "Die Energiewirtschaft ist in der Lage, Mittel in dieser Höhe bereitzustellen." Das sei "mehr als alle Konjunkturpakete, die derzeit auf der Tagesordnung stehen".

Voraussetzung für den Erfolg dieses "Energiepakets in Rot-Weiß-Rot" sei die Unterstützung durch alle Gebietskörperschaften, sagte VEÖ-Generalsekretärin Barbara Schmidt. Dazu gehörten verpflichtende Ausbauziele in den einzelnen Bundesländern und ein laufendes Monitoring. Als Investitionsanreize könnte sie sich die Wiedereinführung des Investitionsfreibetrags (IFB) oder eine Investitionszuwachsprämie vorstellen. Auch beim Netztarif sieht Schmidt Spielraum: Eine Erhöhung um 1 Cent pro Tag und Haushalt würde 1 Mrd. Euro mehr für Investitionen in die Verteilnetze bringen.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung der Investitionspläne ist für Anzengruber eine Vereinfachung und Beschleunigung der Genehmigungsverfahren in der UVP-Novelle. Wenn Verfahrensdauern von neun Monaten vorgeschrieben seien, könne man damit leben, auch wenn daraus mit der Ausschöpfung der Instanzenzüge letztlich 15 Monate würden. Aber diese Fristen müssten dann auch eingehalten werden, forderte der Verbund-Chef.(APA)

 

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