ING stürzt zum Jahresende tief in rote Zahlen

18. Februar 2009, 13:29
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Direktbank ING-Diba stellt sich auf härteren Wettbewerb im Privatkundengeschäft ein - Keine Jobstreichungen geplant

Amsterdam/Frankfurt - Der vom Staat gestützte niederländische Finanzkonzern ING ist im vierten Quartal wegen der Finanzkrise tief in die roten Zahlen gestürzt. Wegen großer Abschreibungen stand im Quartal ein Minus von 3,7 Mrd. Euro in den Büchern, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Amsterdam mit. Für das Gesamtjahr 2008 schrieb der Konzern 729 Mio. Euro Verlust. Nun will sich ING auf weniger Geschäftsfelder und weniger risikoreiche Anlagen konzentrieren.

Statt auf Wachstum will sich das Management auf das Kerngeschäft konzentrieren. "Unsere Strategie, die auf Spareinlagen und dem Anlagegeschäft aufbaut, ist eine gute Grundlage für die Zukunft", sagte ING-Verwaltungsratspräsident Jan Hommen, der auch die Leitung des Managements übernehmen soll. "Aber wir müssen die Komplexität des Konzerns reduzieren, indem wir uns auf weniger Geschäftsbereiche und Märkte konzentrieren." Im vergangenen Jahr sei das Unternehmen auf seinem Wachstumskurs von der Finanzkrise erwischt worden.

Kostensenkungen

ING will die Bilanzsumme im Vergleich zu Ende September um 10 Prozent eindampfen und die Kosten im laufenden Jahr um eine Milliarde Euro senken. Zudem solle stärker in risikoärmere Anlagen investiert werden, hieß es. Dabei wolle ING weiter Kredite an ihre Kunden vergeben. ING hatte im vierten Quartal vom niederländischen Staat eine Finanzspritze von 10 Mrd. Euro erhalten.

Die deutsche Direktbank ING-Diba stellt sich im Zuge der Finanzkrise auf einen härter werdenden Wettbewerb im Privatkundengeschäft ein. Alle Institute bemühten sich wegen der schwierigen Bedingungen an den Kapitalmärkten verstärkt um Spareinlagen, was die Margen belaste, erklärte die Tochter der niederländischen Großbank ING am Mittwoch. Die mit 6,7 Mio. Kunden größte europäische Direktbank plane aber trotz dieses schwierigen Marktumfelds keinen Personalabbau.

Im vergangenen Jahr sank der Vorsteuergewinn der ING-Diba im Vergleich zum Rekordergebnis des Vorjahres um zwölf Prozent auf 412 Mio. Euro. Im Gegensatz zur Mutter musste man aber keine Abschreibungen verkraften. Dies unterstreiche die konservative Anlagepolitik der Direktbank, erklärte ihr Chef Ben Tellings. Abschreibungen im Anlage-Portfolio drückten dagegen die Schwester in Polen in die roten Zahlen. Mit einem Minus von 26,7 Mio. Euro fuhr die ING Bank Slaski den ersten Quartalsverlust seit fünf Jahren ein. (APA/dpa/Reuters)

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