Niederösterreich: Mehr Miete, weniger Eigentum

18. Februar 2009, 13:21
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Die Wirtschaftskrise führt zu strukturellen Änderungen am Immobilienmarkt - Klosterneuburg ist teuerstes Pflaster, das Waldviertel bleibt günstig

Wien - Die Immobilienpreise haben sich 2008 in Wien und Niederösterreich stabil entwickelt. Im Oktober und November sei es infolge der Finanzkrise aber zu einem deutlichen Nachfragerückgang gekommen. Im Dezember setzte die Nachfrage - vor allem nach Anlage- und Mietobjekten - wieder ein, so das Ergebnis der aktuellen Marktanalyse der Raiffeisen Immobilien Vermittlung (RVI).

Weniger Bereitschaft zu Verschuldung

Im laufenden Jahr rechnen die RVI-Experten mit einer Fortsetzung dieses Trends, der zu einer Strukturänderung des niederösterreichischen Immobilienmarktes führen wird. Bisher sei das Bundesland nämlich von Eigentum geprägt gewesen, derzeit werden aber Mietobjekte stark nachgefragt. Die Experten der RVI führen dies auf die geringere Bereitschaft zu langfristiger Verschuldung angesichts der Krise zurück.

Auch bei Veranlagungsobjekten wird ein Hang zu mehr Risikostreuung beobachtet. "Wo in den Vorjahren ein Objekt zum Preis von 600.000 Euro erworben wurde, suchen Anleger nun nach zwei Immobilien zu je 300.000 Euro", erklärt RVI-Geschäftsführer Peter Weinberger in einer Aussendung. Die langfristige Sicherheit von Grund und Boden werde wieder höher eingeschätzt als der "Run auf hohe Renditen".

Speckgürtel wird teurer

Rückläufig sei hingegen die Entwicklung bei den Gewerbeimmobilien. Die sinkende Nachfrage aufgrund schlechter Konjunkturaussichten dürfte hier zu einer Reduktion bei Preisen und Mieten führen. Auch die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken gehe zurück. Eine starke Nachfrage werde derzeit allerdings noch im Bezirk Tulln verzeichnet. "Wegen der bevorstehenden Anbindung an die neue Hochleistungsbahn möchten sich hier zahlreiche Firmen ansiedeln", begründet Weinberger die Entwicklung.

Auch für private Häuslbauer ziehen die Grundstückspreise im nördlichen Speckgürtel Wiens wegen des Baubooms zwischen Tulln und Korneuburg stark an. Kostete ein Quadratmeter unbebautes Grundstück im Bezirk Korneuburg in guter bis sehr guter Lage im Jahr 2007 noch zwischen 180 und 230 Euro, sind es aktuell bereits bis zu 380 Euro. In Tulln ist die Situation ähnlich. Zu Jahresbeginn 2008 kostete ein Quadratmeter Grundstück zwischen 100 und 200 Euro, aktuell sind es bis zu 230 Euro.

Klosterneuburg am oberen Ende,...

Das teuerste Pflaster in Niederösterreich ist laut der Marktanalyse aber nach wie vor Klosterneuburg. Ein Einfamilienhaus in guter bis sehr guter Lage ist dort nicht unter einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 2.000 bis 2.500 Euro zu haben. Ein Quadratmeter unbebautes Grundstück kostet 300 bis 350 Euro.

Günstiger kommt Häuslbauern das Waldviertel. Im Bezirk Horn müssen Käufer für ein Einfamilienhaus 700 bis 1.100 Euro je Quadratmeter auslegen, für unbebaute Grundstücke 50 bis 70 Euro.

...Zwettl und Gmünd am unteren Ende

Das Schlusslicht in Niederösterreich bilden die Region Zwettl (Land) und Gmünd. In Zwettl kostet ein Einfamilienhaus je Quadratmeter zwischen 500 und 700 Euro, ein unbebautes Grundstück kommt auf 15 bis 25 Euro. Häuser in Gmünd kosten 450 bis 550 Euro je Quadratmeter. Ein unbebautes Grundstück kommt auf 25 bis 30 Euro pro Quadratmeter. (red)

  • Das Haus in der "Einschicht" ist derzeit nicht sehr beliebt: Von Ballungszentren weiter entfernt gelegene Regionen werden immer weniger nachgefragt.
    foto: derstandard.at/putschögl

    Das Haus in der "Einschicht" ist derzeit nicht sehr beliebt: Von Ballungszentren weiter entfernt gelegene Regionen werden immer weniger nachgefragt.

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