Die prekäre Realität des Schauspielerberufs

18. Februar 2009, 13:05
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IG Freie Theaterarbeit stellte Studie zur Arbeit in der freien Szene vor

Wien - Eine Anpassung der arbeitsrechtlichen Vorgaben an die Realität des Schauspielerberufs, ein "grundlegendes Umdenken in der Förderpolitik" und neue Mittel für Kunst und Kultur forderte die IG Freie Theaterarbeit am Mittwoch in Wien. Anlass war die Präsentation eines Berichts der derzeit karenzierten Geschäftsführerin Sabine Kock zur Arbeit im freien Theaterbereich in Österreich unter dem Titel "Prekäre Freiheiten" mit dem Ergebnis: "Die Probleme sind weiter da bzw. wachsen".

Die IG forderte nun eine Lösung dieser mehrfach belegten Schwierigkeiten, die sich für Theaterschaffende aus Arbeits- und Sozialversicherungsrecht sowie Förderstrukturen ergeben. Denn mit der vorhandenen Studie zur sozialen Lage der Künstler, die das Unterrichtsministerium im Vorjahr erstellen ließ, und dem nun präsentierten Bericht zur freien Theaterarbeit gebe es "eigentlich keine Ausrede" mehr, "warum man das nicht angeht", sagte die Schauspielerin Sabine Muhar.

"Mit einem halben Bein im Kriminal"

So können etwa die Institutionen die Anforderungen des Schauspielergesetzes, das Anstellung verlangt, wegen zu geringer Fördermittel nicht erfüllen - die gesetzlichen Vorgaben und die Realität seien unvereinbar. "Jeder Intendant in Österreich steht mit einem halben Bein im Kriminal", so Muhar. Das Schauspielergesetz müsse aktualisiert und die Zuordnung der verschiedenen Aufgaben (Sprecher, Bühne, Werbung), die Schauspieler erfüllen, zur Sozialversicherung müsste neu organisiert werden, forderte die IG.

Durch die Unterrichtsministeriums-Studie und den "Prekäre Freiheiten"-Bericht sei nun "quantitativ belegt, wie sich die Arbeitssituation für Theaterschaffende verschlechtert hat", so auch Kock. Nach der Erstellung ihres Berichtes seien sogar noch weitere Probleme bei der Arbeitslosenversicherung und bei der Betreuung durch das AMS entstanden. Für letzteres müsse man nun 62 Tage durchgängigen Angestelltenstatus nachweisen können - "das gibt es in der Branche nicht", so Muhar. Der jahrelange "Graubereich" in der Theaterwelt, wo Schauspieler für Zwei-Monats-Projekte dann nur wenige Tage lang wirklich angestellt wurden, werde nunmehr von den Gebietskrankenkassen zunehmend nicht mehr geduldet.

"Avantgarde" der Wirtschaftskrise

Auftrieb bekommen die Anliegen der Theaterschaffenden ausgerechnet durch die Wirtschaftskrise. Denn immer mehr Berufsgruppen erleben nun ähnliche Schwierigkeiten, wie sie die zwischen Selbstständigkeit, punktueller Anstellung und Problemen mit mehrfacher Sozial- und kaum möglicher Arbeitslosenversicherung changierenden Theaterleute schon länger kennen. Das Problem sei international bekannt: "Die Situation für Künstlerinnen und Künstler ist generell auf der ganzen Welt signifikant schlechter als für andere Gruppen", sagt Kock. Damit seien diese die "Avantgarde" der Wirtschaftskrise gewesen.

Die zuständige Unterrichtsministerin Claudia Schmied habe "gar nicht so schlecht begonnen", so Muhar, und es sei eine "glückliche Situation, dass Schmied nun auch noch weiter im Amt ist". Doch die Ministerin müsse "nun auch einmal anfangen", die belegten Probleme zu beheben, so Muhar, die in ihrer Laufbahn als Schauspielerin schon "drei oder vier" Studien zur sozialen Lage der Künstler erlebt hat - "ohne Konsequenzen". (APA)

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