Börsekurse - ein schlechter Witz?

18. Februar 2009, 12:45
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Die Fantasie ging den Investoren gründlich verloren. Ein Witz, ist sie doch Teil ihres Geschäftsmodells - Von Regina Bruckner

Dass die Börsen ihre Talfahrt bei weitem noch nicht beendet haben - wie es die Analysten auch brav voraussahen - hat man nun wieder eindrucksvoll gesehen. Ex-WIFO-Chef Helmut Kramer zeigte sich gestern angesichts der aktuellen Kurse von Erste Bank und Raiffeisen International konsterniert: "Angesichts des Substanzwerts, den diese Banken haben, ist das ein Witz." Selbst der immer smarte Erste-Group-Chef Andreas Treichl konnte einen Anflug von Bestürzung nicht verbergen. "Ich glaube nicht, dass es gefährlich geworden ist für die österreichischen Banken in Zentral- und Osteuropa", beteuert er.

Ob er damit Recht hat, weiß wohl niemand so genau. Abhängen wird es durchaus von seiner eigenen "Zunft". Allein, der fehlt derzeit offensichtlich der Glaube. Schade irgendwie - oder vielmehr ein Witz. Denn dass Börse-Geschäfte immer schon auch "Luftgeschäfte" waren und sind, dürfte ja gerade in diesem Umfeld nichts Neues sein. Und dass "Wirtschaft" sich zu gut der Hälfte der Psychologie verdankt, ist mittlerweile sogar schon außerhalb des Börsenparketts sattsam bekannt. Was soll man nun davon halten, dass Finanzinvestoren wieder einmal panikartig die Flucht ergreifen?

Wovor flüchten die seit geraumer Zeit so gar nicht kühl kalkulierenden Anleger? Wem trauen sie derzeit über den Weg? Jene, die sich vor Ort in Osteuropa ein Bild machen, bleiben jedenfalls positiv gestimmt. Zumindest wenn man einer jüngst veröffentlichten Umfrage glaubt und sich bei Unternehmern selbst umhört. Weil sie an ihren Geschäftsideen nicht zweifeln und ebenso wenig an sich selbst.

Der Optimismus ist nicht ganz unbegründet. Allen Widrigkeiten zum Trotz, so Marktforscher Rudolf Bretschneider vergangene Woche, bleiben die CEE-Konsumenten doch im Großen und Ganzen gut gestimmt - kein Wunder, nach der wirklich harten Zeit nach dem Systemwechsel. Und die Investoren? Die glauben offenbar nicht mehr an ihre eigenen Ideen. Irgendwie ein Witz, dass die blühende Fantasie gerade dort, wo sie Teil des Geschäftsmodells ist, vollkommen verdorrt. (Regina Bruckner)

 

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