Commerzbank bilanziert tiefrot

18. Februar 2009, 12:39
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Nach hohen Verlusten im Schlussquartal 2008 erwartet das Institut auch für 2009 ein "sehr schwieriges Jahr"

Frankfurt - Die von der Finanzkrise gebeutelte Commerzbank erwartet nach einem katastrophalen Jahr 2008 erst 2010 eine Erholung ihres Geschäft. Zwar sei der Jänner 2009 gut verlaufen, sagte Finanzvorstand Eric Strutz am Mittwoch in Frankfurt in einer Telefonkonferenz. "Aber wir müssen realistisch bleiben: 2009 wird für alle Häuser nochmal ein schwieriges Jahr." Der DAX-Konzern, der Milliardenhilfe vom Staat und in der Folge den Bund als Großaktionär bekam, erwartet weitere Rückschläge wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage. Zudem muss Deutschlands zweitgrößte Bank die Integration der angeschlagenen Dresdner Bank stemmen. Diese laufe planmäßig, werde aber allein im laufenden Jahr das Ergebnis der Commerzbank mit rund 2 Mrd. Euro belasten.

Für das Gesamtjahr 2008 blieb der Bank nach einem dramatischen vierten Quartal dank eines Steuereffekts und gestrichener Boni für die gesamte Belegschaft unter dem Strich gerade noch ein Mini-Gewinn von 3 Mio. Euro. 2 Mio. Euro davon gehen als Zinsen an den Rettungsfonds SoFFin. Im Vorjahr hatte die Commerzbank den Rekordüberschuss von 1,9 Mrd. Euro erzielt. Im vergangenen Jahr rutschte die Bank operativ mit 378 Mio. Euro ins Minus - nach einem Plus von 2,5 Mrd. Euro im Vorjahr.

Horrorquartal

"Das vierte Quartal war eines der schwersten der Commerzbank", bilanzierte Vorstandschef Martin Blessing, der sich ansonsten nicht zu den Zahlen äußerte, in einer Mitteilung. Nach Steuern fielen von Oktober bis Ende Dezember 809 Mio. Euro Verlust an - nach 201 Mio. Euro Gewinn ein Jahr zuvor.

Experten halten die Zahlen für wenig aussagekräftig, weil die übernommene Dresdner Bank darin noch fehlt. Der Kauf war Ende August vereinbart, aber erst im Jänner vollzogen worden. Für das Jahr 2008 sei daher noch die bisherige Dresdner-Eigentümerin Allianz zuständig, erläuterte Strutz. Der Versicherungskonzern will am 26. Februar die Bilanz vorlegen. "Wir sind nicht glücklich über diesen Mangel an Information, müssen uns aber damit abfinden", sagte Strutz. Die Dresdner war nach den letzten veröffentlichten Zahlen tief in die Verlustzone gerutscht. Strutz kündigte für die zweite März-Hälfte pro-forma-Zahlen für die "neue Commerzbank" an, dann mit Dresdner Bank.

Die Commerzbank musste 2008 vor allem in der Staatsfinanzierung, im Immobiliengeschäft und im Investmentbanking Federn lassen: In diesen Sparten gab es im Schlussquartal wie im Gesamtjahr deutliche Verluste. In den Kerngeschäftsfeldern Privat- und Geschäftskunden sowie Mittelstand blieb der Konzern in der Gewinnzone. Die Zahl der Privat- und Geschäftskunden erhöhte sich binnen Jahresfrist um rund 1,6 Millionen auf fast 9,2 Millionen. In Deutschland wurden netto 574.000 Kunden gewonnen: Mit insgesamt 6,1 Mio. Kunden sei hier das Ziel von 6 Millionen ein Jahr früher als geplant erreicht.

Die Gesamtbelastungen für die Commerzbank aus der Krise für das Jahr 2008 bezifferte ein Sprecher auf rund 2,1 Mrd. Euro. Von einer nationalen "Bad Bank" für Risikopapiere der Finanzbranche hält die Commerzbank indes wenig. "Wir glauben, dass jedes Haus eine eigene Lösung suchen sollte und daran arbeiten sollte", sagte Strutz. Die Commerzbank wickelt Risikopapiere in einer eigenen Abteilung ab.

Streichung der Bonus-Zahlungen

Ihren Mitarbeitern und Vorstandsmitgliedern zahlt die Bank für das Krisenjahr 2008 keinen Bonus. "Es gibt keine Boni, 600 Mio. Euro sind voll gestrichen", sagte Strutz. Zugleich wehrte er sich gegen Pauschalkritik: "Bonuszahlungen sind ja per se nicht schlecht. Über die Jahre ist das System nur durch den einen oder anderen Investmentbanker oder die Investmentbanken deformiert worden." Strutz betonte: "Für die Commerzbank kann ich sagen: Es gibt hier keine Exzesse und es wird auch künftig keine Exzesse geben." Dennoch stelle der Konzern sein Vergütungssystem auf den Prüfstand und wolle spätestens im Sommer ein neues Modell präsentieren.

Auch die Aktionäre gehen leer aus: Für 2008 wird das Institut, das vom Staat mit Kapital in Höhe von insgesamt 18,2 Mrd. Euro gestützt wird, keine Dividende ausschütten. Die Kernkapitalquote lag zum Jahresende bei 10,1 Prozent. (APA/dpa)

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