40.000 Kurzarbeiter im April

18. Februar 2009, 17:36
posten

An "Attraktivität" des Modells wird gearbeitet - Finanzierung gesichert

Wien - Die Kurzarbeit in der Industrie, mit der versucht wird, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt zu lindern, erfreut sich weiter trauriger Beliebtheit. Die derzeit rund 27.500 kurzarbeitenden Beschäftigten werden bis Anfang April mehr als 40.000 geworden sein, erklärten Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SP) und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (VP) nach einem Expertentreffen am Mittwoch.

Die seit den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts bestehenden Regeln werden gerade überarbeitet. Nächste Woche soll das neue Gesetz durch den Nationalrat gehen, auch eine neue Richtlinie dazu wird in aller Eile von Beamten und Sozialpartnern erarbeitet.
Dabei zeichnet sich eine sozialpartnerschaftlich abgesegnete Lösung ab, nach der die sogenannte "Behaltefrist" aufgeweicht wird. Diese beinhaltet eigentlich, dass während der Phase der Kurzarbeit keine Mitarbeiter entlassen werden dürfen.

Laut KTM-Chef Stefan Pierer und Bernhard Achitz vom ÖGB zeichnet sich jedoch eine "österreichische Lösung" ab. Diese besteht darin, dass die Behalte-Regelung aufgeweicht werden soll und "die Regeln der Kurzarbeit nicht für das ganze Unternehmen" gelten müssen, wie es Pierer formuliert. Für Achitz soll Kurzarbeit "keine Vorstufe zur Kündigung" darstellen, die Erhaltung der Beschäftigten sei oberstes Gebot.

Steuerfragen

Offen ist noch die Frage, ob die Prämien, die quasi als Entgeltfortzahlung vom AMS via Unternehmen an die Teilzeit-Mitarbeiter abgeführt werden, steuerlich begünstigt sind oder nicht. Achitz plädiert außerdem dafür, dass Urlaubs- und Weihnachtsgeld bei Kurzarbeit steuerlich anders behandelt werden.

Mitterlehner betonte, dass das Kurzarbeit-Modell dazu geschaffen wird, um die derzeitige schwierige Situation überbrücken zu können. "Wir hoffen, dass sich bis zum Herbst die Gesamtsituation verbessert und dass das Kurzarbeit-Modell dann nicht mehr gebraucht wird." Bis dorthin jedenfalls gebe es genügend Mittel beim Arbeitsmarktservice. Die 80 Millionen Euro, über die das AMS aus diesem Titel verfügt, genügten, versicherte der Wirtschaftsminister. Bis zum April wird gerechnet, dass die Zahl der Kurzzeit-Arbeiter auf 40.000 steigt.

Der Stahlkonzern Voestalpine streicht in Krems fast 10 Prozent der Stellen. 65 der 677 Mitarbeiter wurden zur Kündigung angemeldet, da das Unternehmen die Situation durch Schichtrücknahmen und Produktionskürzungen nicht auffangen konnte. (ruz, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.02.2009)

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.