Neue Etappe in der Frauenbewegung fehlt

18. Februar 2009, 12:56
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Diskussion "Frauen wählen Frauen!?": Schwierige Zeiten, um Aufmerksamkeit für frauenspezifische Thematiken zu erlangen, so Nationalratspräsidentin Prammer

Wien - Der Dienstag Abend im Filmcasino stand im Zeichen des Themas "90 Jahre Frauenwahlrecht sind nicht genug". Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Bettina Stadlbauer, Frauenstadträtin Sandra Frauenberger, Meinungsforscherin Eva Zeglovits, die Publizistin Susanne Feigl und die Jungwählerin Lisa Werderitsch diskutierten unter der Leitung von Journalistin Sibylle Hamann Frauenpolitik in Österreich.

Weiterentwicklung in der Frauenpolitik

Prammer strich hervor, dass es deutlich werden müsse, dass "es kein Politikfeld gibt, wo nicht auch automatisch Fraueninteressen mit einfließen müssen". Quotenregelungen seien unumgänglich, um ein Gleichgewicht zu schaffen, unterstrich Prammer, die die im Nationalrat vertretenen SPÖ-Frauen als "kritische Masse" beschrieb. Zudem sei es heute schwieriger, die Aufmerksamkeit für frauenspezifische Thematiken zu erlangen - es fehle eine "neue Etappe in der Frauenbewegung". Die 60er und 70er Jahre waren die Zeit der autonomen Frauenbewegung, denen folgte die Institutionalisierung von Frauenpolitik in den 80er und deren Professionalisierung in den 90ern: "Man muss sich jetzt im Grunde genommen überlegen, was brauchen diejenigen, die eine Weiterentwicklung in der Frauenpolitik wollen, was brauchen die Frauen in den Organisationen", so Prammer.

Dilemma

"Der Druck von außen", sich mit Frauenpolitik zu beschäftigen sei, "enorm gering geworden", ohne diesen sei es jedoch "damals nicht gegangen und wird es heute nicht gehen", unterstrich Prammer. "Es kommt auf die Inhalte an", wenn eine Person gewählt wird, und nicht auf ihr Geschlecht. Wichtig seien aber die notwenigen Ressourcen und die Präsenz in der Öffentlichkeit. "Das spricht schon wieder gegen die Frauen und das ist genau unser Dilemma", da finanzielle Ressourcen sehr stark in männlicher Hand liegen, so Prammer.

Ein weiteres Dilemma ortete Prammer darin, dass man, "wenn man bei Frauen wahrgenommen werden will, familienspezifische Themen, wie Kinderbetreuung", thematisieren müsse.

Kinderbetreuung Schlüsselrolle

"Grundsätzlich sind es die ganz pragmatischen Dinge", die zu Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern führen können. Österreich ist eines jener Länder mit den größten Einkommensunterschieden, nämlich bis zu 40 Prozent. Vier von zehn Frauen arbeiten Teilzeit, dies würde unter anderem die Einkommensunterschiede begründen. Aus diesem Grund "muss die verteufelte Teilzeitarbeit reduziert" werden, betonte Prammer. Das sei nur möglich wenn von staatlicher Seite flächendeckend Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung gestellt werden. (red)

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