Steirer will sich mit Geisel in die Luft sprengen

18. Februar 2009, 18:02
58 Postings

Der 55-Jährige hält seit acht Uhr Morgens eine Deutsche in seiner Gewalt - Er fühlt sich als Opfer der Justiz: "Verworrene" Briefe unter anderen an Franz Voves verschickt

Graz - Bei einer Geiselnahme im Mürztal hat ein Mann eine Autostopperin in seine Gewalt gebracht. Der 55-jährige Tatverdächtige verschanzte sich in dem Mehrparteienhaus, in dem er wohnt, und drohte, Gasflaschen in die Luft zu jagen, falls die Polizei das Haus stürme. Als Motiv scheinen Probleme mit der Justiz vorzuliegen: Mehrmals verlangte der Mann nach "Gerechtigkeit" und der Wiederaufnahme eines Verfahrens.

Laut Polizei handelt es sich bei dem Tatverdächtigen um einen 55-Jährigen allein stehenden Schweißer, der keiner geregelten Tätigkeit nachgehe, bei dem Opfer um eine Deutsche, die nach Griechenland trampen wollte und zufällig in die Hand des Mannes geraten war. Eigentlich habe er eine andere Person kidnappen wollen, weil aber etwas dazwischen gekommen sei, habe er sich entschlossen, die Autostopperin mitzunehmen und als Geisel zu nehmen.

Geiselnahme begann um acht Uhr Früh

Begonnen hatte die Geiselnahme bereits um 8.00 Uhr. Danach rief er laut Alexander Gaisch von der Sicherheitsdirektion Steiermark einen Bekannten an und bat diesen, die Polizei zu verständigen. Er trug dem Mann auf, klar zu machen, dass man das Haus nicht stürmen solle, da er sonst Gasflaschen zur Explosion bringen würde. Die Polizei nahm die Drohung aufgrund der beruflichen Ausbildung jedenfalls ernst, so Gaisch: "Es ist ihm auch zuzutrauen."

Ebenfalls am Vormittag ging im Büro von Landeshauptmann Franz Voves ein Schreiben ein, das als "brisant" beurteilt und daher sofort an die Sicherheitsdirektion weitergeleitet wurde. Zu diesem Zeitpunkt war das Mehrparteienhaus bereits von der Polizei umstellt und die Einsatzkommando Süd angefordert. Die Umgebung wurde evakuiert, u.a. wurden 45 Bewohner eines Seniorenheims in eine Schule und einen Kindergarten umquartiert.

Motiv "Gerechtigkeit"

Das Motiv des Mannes sei nach eigenen Angaben "Gerechtigkeit", so die Polizei. Er wolle die Wiederaufnahme eines behördlichen Verfahrens erreichen und fühle sich als Justizopfer. Einen mehrseitigen handgeschriebenen Brief hat der Geiselnehmer von St. Marein an verschiedene Adressaten geschickt, u.a. auch an den steirischen Landeshauptmann Franz Voves (S). In dem "verworren" verfassten Schreiben gehe es um eine Zivilrechtssache, die am Bezirksgericht Mürzzuschlag anhängig war sowie offenbar auch weitere Verfahren, erklärte der Sprecher der Sicherheitsdirektion Steiermark, Alexander Gaisch, gegenüber der APA.

"Daraus geht hervor, dass er sich ungerecht behandelt fühlt und er von höchster Stelle gehört werden und die Dinge aufgeklärt haben will", erläuterte Gaisch. Gleichzeitig habe der Verfasser auch die indirekte Drohung ausgesprochen, etwa in der Form "Gott möge ihm verzeihen, sollte er gezwungen sein, Polizisten zu töten". Eine Passage, die später wieder relativierte, so der Behördensprecher.

Im Büro von Voves war das in Kopie übermittelten Schreibens jedenfalls als "brisanten Inhalts" eingestuft worden, weshalb es sofort nach Erhalt am Mittwochvormittag an die Sicherheitsdirektion weitergeleitet worden sei.

Weitere Verhandlungen

Für die Geisel, über deren genauere Identität nichts bekannt ist, sorge er gut. Er wolle niemandem etwas tun, sagte der Mann gegenüber der Polizei. Die Verhandlungsgruppe Süd war wiederholt mit dem 55-Jährigen in Kontakt. "Er ist interessiert, mit uns zu kommunizieren," so Gaisch. Eine Stürmung des Hauses sei laut Polizei nicht geplant. Man wolle mit dem 55-Jährigen weiter verhandeln. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Spezialeinheit Cobra vor Ort in St. Marein.

Share if you care.