Hausdurchsuchungen bei Meinl Bank

18. Februar 2009, 17:14
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Sichergestellte Unterlagen sind "gutes Material"

Wien  - Die Affäre um die umstrittenen Wertpapier-Rückkäufe bei der ehemaligen Immobiliengesellschaft Meinl European Land (MEL) hat weitere Konsequenzen: Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch, am Mittwoch bestätigte, laufen seit der Früh Hausdurchsuchungen an mehreren Orten, darunter in der Meinl Bank.

Nähere Informationen soll es am Nachmittag geben, sagte Jarosch. Die Vorerhebungen rund um MEL laufen seit August 2007. Anfang Februar hat die Arbeiterkammer (AK) Klagen gegen die Meinl Bank bzw. den Finanzdienstleister Meinl Success eingebracht.

Vonseiten der Meinl Bank hieß es, man kooperiere in vollem Umfang mit den Behörden, weil das Unternehmen selbst an einer möglichst raschen Aufklärung der Vorwürfe interessiert sei.

Die he Hausdurchsuchungen haben an 13 Standorten stattgefunden. Drei Staatsanwälte und 60 Beamte haben neben Büroräumlichkeiten auch Wohnungen in Österreich und Pressburg nach Unterlagen durchsucht, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch, am Mittwoch Nachmittag.

"Was wir bis jetzt gesehen haben, scheint gutes Material zu sein", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

"Gutes Material"

Die Hausdurchsuchungen sollen alle noch heute abgeschlossen werden. Auch ein Sachverständiger sei dabei gewesen. Bei den sichergestellten Unterlagen habe es sich hauptsächlich um Datenträger gehandelt, die in den kommenden Wochen ausgewertet werden.

Die Hausdurchsuchungen seien deshalb erst jetzt erfolgt, weil es gerade in Wirtschaftssachen lange brauche, "bis wir was zusammen haben". Andererseits könne nicht bei jeder begründeten Anzeige sofort eine Hausdurchsuchung durchgeführt werden, weil es dann in Österreich keine funktionierende Wirtschaft mehr geben würde. Abgesehen davon würden viele Erhebungen im Hintergrund laufen. "Erfahrungsgemäß finden wir alles, was wir brauchen", sagte Jarosch.

Kritik

Kritik am späten Zeitpunkt der Hausdurchsuchungen kommt dagegen vom Vertreter der Kleinanleger. "Auf der einen Seite ist es ein deutliches Signal, dass sich die Justiz mit diesem Fall beschäftigt, betrüblich ist jedoch, dass es über ein Jahr dazu gebraucht hat, nachdem diese Dinge passiert sind", so IVA-Chef Wilhelm Rasinger.

Da Julius Meinl als vorausschauende und vorsichtig agierende Person bekannt sei, bestehe die Befürchtung, dass wichtiges Beweismaterial jetzt nicht mehr vorhanden ist. Meinl sei auch dafür bekannt, relativ wenig schriftlich zu machen. "Das sehe ich als großen Nachteil dieser Aktion", so Rasinger.

Die Anleger dürften sich von dieser Aktion auch nichts erwarten, relevant sei sie eher für das Strafverfahren. "Vielleicht entstehen aber auch Beweismittel für die anhängigen Zivilverfahren", so Rasinger. Er hofft zumindest auf etwas Rückenwind, wenn sich die Ergebnisse der Durchsuchungen schon nicht unmittelbar niederschlagen (APA)

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