Vom Mobiltelefon zum digitalen Sekretär

18. Februar 2009, 10:26
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Computer sind sie schon lange, aber neue Arten der Bedienung machen Handys zum digitalen Assistenten für alle Lebenssituationen. Eine Bestandsaufnahme von der größten Handymesse der Welt.

Nach und nach kommen die Bausteine zusammen, die aus unserem Mobiltelefon tatsächlich den seit langem propagierten "Multimedia-Computer" (Nokia) machen. Einiges davon ist weiterhin Hardware: Immer bessere Kameras (acht und zwölf Megapixel Auflösung) und Video in High Definition (HD); mehr Speicher für große Musik- und Videosammlungen; große, brillante Bildschirme (3,2 Zoll ist guter Standard, Toshiba bietet bereits vier Zoll); GPS-Ortung in immer mehr Geräten; Bewegungssensoren, die Drehungen und Neigungen registrieren; leistungsfähigere Prozessoren.

Evolution

Aber die eigentliche Evolution findet immer stärker durch neue Arten der Bedienung statt. Gute Software ist der Schlüssel, um Benutzern auf einfache Art die vielen Möglichkeiten zugänglich zu machen. Dazu gehört unter anderem das Verschwinden des Browsers für die Benutzung des Internets.

Statt wie am PC den Browser zu öffnen und Lesezeichen für Ebay, Facebook, Wetter, Zeitungen, Amazon oder zahlreiche andere Dienste abzurufen, gibt es am Handy Widgets: speziell auf den jeweiligen Inhalt zugeschnitzte kleine Programme, die am Bildschirm bereitliegen. Am iPhone und dem Google-Handy G1 von T-Mobile gibt es diese Widgets bereits (über Online-Stores zu beziehen), und sie ermöglichen "eine viel stärkere Personalisierung des Handys, als dies mit Klingeltönen oder Wallpapers je erfolgt ist", sagt T-Mobile Austria-Chef Robert Chvátal.

T-Mobile will das Widget-Prinzip zur Benutzung des Internets mit seinem "Web 'n' Walk"-Angebot auf zahlreiche weitere Geräte ausdehnen. In den nächsten Monaten soll es für Besitzer früherer Modelle - auch die weit verbreitete S40-Serie von Nokia - ein Upgrade dafür geben.


Einfacheres Mailen

Wesentlich leichter soll auch die Benutzung von E-Mail am Handy werden. Zwar sind dazu schon heute die meisten Geräte geeignet, aber viele Benutzer scheitern an komplizierten Einstellungen. Bei Nokia-Handys genügt es künftig, bei der ersten Benutzung die persönliche E-Mail-Adresse und Passwort einzugeben, das Handy checkt die Einstellungen selbst.

Diese Funktion tauchte erstmals vor einem Jahr auf Nokias E71 auf, war aber auf wenige Anbieter wie Yahoo, Gmail oder Yahoo begrenzt - jetzt sollen tausende Mail-Provider erfasst sein.

Einen spannenden Zugang zur Integration der vielfältigen Programme, "personenzentrierte Kommunikation", probiert der taiwanesische Hersteller HTC. Informationen, die sonst an verschiedenen Stellen gespeichert sind, laufen im Adressbuch zusammen - dem sozialen Kontext einer Information. Alle Mails, SMS, Anrufprotokolle, persönliche Daten findet man gezielt im Adressbuch bei der jeweiligen Person.

GPS

Neuen Nutzen bringt auch die Integration von GPS. Standortbestimmung ist eine wesentliche Information: Vieles, was man z. B. am Handy sucht, hat starken Ortsbezug, wie eine nahegelegene Bank oder Apotheke. Vorläufer von "Location based services" gibt es seit langem, erst der Einzug von Karten und GPS am Handy machen sie wirklich praktikabel. Auch als digitales Tagebuch, wenn jedes mit dem Handy geschossene Foto automatisch mit dem Standort versehen und gespeichert wird.

Noch ein leidiges Problem wird Vergangenheit: die Übertragung von Daten von einem Handy auf ein anderes, auf den PC oder webbasierende Internetdienste. Das Zauberwort heiß "Sync" und gibt es inzwischen von Apple, Google, Nokia und demnächst von Microsoft. Das ermöglicht es, alle Daten vom Handy in der "Wolke" (einem Internetdienst) zu sichern, und von dort auf ein anderes Gerät zu übertragen. Handy im Taxi vergessen? Schade ums Geld - aber wenigstens sind künftig die wichtigen Einträge nicht mehr verloren. (Helmut Spudich aus Barcelona, DER STANDARD Printausgabe 18. 2. 2009)

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