Gali Gali auf Bastimentos

18. Februar 2009, 17:00
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Hüftschwingend gestaltet sich der Alltag in Old Bank. Die Verständigung beschränkt sich aufgrund diverser Sprachbarrieren auf Hände und Füße

Als der Bus im kleinen Hafenort Almirante nahe der Grenze zu Costa Rica ankommt, steigen wir in ein Boot und fahren nach Bocas del Toro, einer Inselgruppe im Atlantik. Auf der Hauptinsel Colon, die Christoph Kolumbus bei seiner "Entdeckungsreise" aufgrund ihrer Schönheit nach sich selbst benannt hat, schauen wir uns ein wenig um und beschließen, auf die Nachbarinsel Bastimentos weiter zu fahren. Wir, das sind meine Brüder und ich.

Unser Ziel in Bastimentos ist das kleine Dorf "Old Bank". Hier leben vorwiegend Schwarze. Mit unserem Gepäck am Rücken laufen wir den einzigen asphaltierten Gehweg entlang und halten Ausschau nach einer Unterkunft. Links vom Weg entdecke ich ein kleines Häuschen - "Rafael´s House - und frage den älteren Herrn, der auf der Veranda sitzt, ob er Platz für uns drei hat. Wir haben Glück und dürfen das kleine feine Haus mit Blick aufs Meer für die nächsten Tage unser Heim nennen.


Blick über den kleinen, verschlafenen Inselort "Old Bank". Foto: Katja Fleischmann

Es ist kurz vor vier Uhr, wir packen unsere Badesachen und wollen noch zum Strand. Wir fragen nach dem Weg und ein Dorfbewohner zeigt nach links auf einen unbefestigten, schmalen Pfad: "Geht hier entlang, in 40 Minuten seid ihr dann am Wizard Beach." 100 Meter stapfe ich meinen Brüdern im Gatsch hinterher und bevor ich endgültig das Gleichgewicht verliere und im Schlamm sitze, gebe ich auf und kehre um. Der Dreck reicht mir bis knapp unter die Knie und als ich wieder am Gehweg ankomme laufe ich an ein paar Jungs vorbei, die mich angrinsen: "Es hat viel geregnet, deshalb ist der Weg heute so schlammig." Ich grinse zurück und laufe weiter. Bis ans Ende des Weges.

Baskettball mit Meeresrauschen

Hinter einem Haus höre ich Menschen rufen. Neugierig schaue ich um die Ecke und entdecke eine Gruppe junger Männer, die barfuß Basketball spielt. Ich stelle mich an den Platzrand und beobachte das Geschehen. Ich bin beeindruckt vom Niveau des Spiels und bezaubert vom Schauplatz. Die Männer laufen in großen Schritten über das Feld und werfen den Ball gekonnt in den Korb. Im Hintergrund schlagen die Wellen des Meeres gegen den Platz und mein Blick wandert immer wieder hinaus übers Wasser.


Die jungen Männer von Bastimentos beim abendlichen Basketballspiel. Foto: Katja Fleischmann

Viel ist nicht los auf Bastimentos. Es gibt ein paar Dutzend Holzhäuser, drei kleine Geschäfte, zwei oder drei Gasthäuser und die eine oder andere Bar. Das Leben der Menschen in Old Bank spielt sich draußen ab. Einige ältere Männer sitzen auf der Veranda und spielen Karten, junge Mütter spazieren mit ihren Kindern auf den Straßen, andere treffen sich zum Tratschen auf der Parkbank und die Jungs von vorhin hängen stets vor dem kleinen Supermarkt ab.


Konzert der begeisterten "Bastimentos Beachboys". Foto: Katja Fleischmann

Am Abend spielen die "Bastimentos Beach Boys" im kleinen Thai-Restaurant und geben dort ihre ganz persönlichen Interpretationen von Bob Marley bis zu den Beatles zum Besten. Die Musik ist laut und der große, schlacksige Sänger mit der bunten Mütze schreit voll Inbrunst ins Mikrofon, während der Percussionist links außen animiert den Rhythmus angibt und seine Hüften im Takt schwingt. Der junge Musiker in der Mitte, der zwischendurch immer wieder seiner Nebenrolle als Kellner nachgeht, lacht über das ganze Gesicht und funktioniert ein Utensil aus der Küche kurzerhand zum Musikinstrument um. Der Truppe ist die Freude an der Musik anzusehen und es dauert nicht lange bis der Funken auf das Publikum überspringt.

Die Gäste, ein paar Einheimische sowie Urlauber, schaukeln im Sitzen mit oder tanzen zwischen den Stühlen. Um elf Uhr ist das Konzert zu Ende und alle gehen nach Hause. Am nächsten Morgen geht es wieder auf zum Strand und diesmal drehe ich nicht um. Der Spaziergang durch den Regenwald ist zwar nach wie vor eine Rutschpartie doch am Ende wartet ein wunderschöner Sandstrand mit Palmen, türkisblauem Wasser und hohen Wellen. Der perfekte Ort um zu entspannen, ein Buch zu lesen, im Sand zu spazieren, im Wasser zu plantschen oder einfach übers Meer zu schauen.

Sprachbarriere und singendes Gali Gali

Am späten Nachmittag, als wir wieder zurückwandern, entdecken wir ein kleines Häuschen und lernen ein Pärchen aus dem Baskenland kennen, das sich hier für einige Monate niedergelassen hat. Die beiden verkaufen in ihrem hübschen Garten selbst gemachten Bananenkuchen - wie geschaffen für eine kleine Rast. Als wir später am Supermarkt vorbeikommen, treffen wir wieder die Jugendlichen. Die Jungs mit Rastalocken und weiten Hosen freuen sich auf Abwechslung und fragen stets "What´s up". Es macht Spaß mit ihnen zu plaudern, auch wenn die Verständigung etwas holprig ist. Wir unterhalten uns auf Englisch, trotzdem verstehen wir uns kaum. Die Menschen in Old Bank sprechen ein Kreolenglisch und manchmal endet eine Unterhaltung mit einem Nicken und Lachen, auch wenn ich nicht alles verstanden habe. Neben Englisch hört man auch vereinzelt Spanisch und immer wieder fröhlich-schnelle Wortschwalle, denen ich gar keine Information entnehmen kann. Das ist Gali Gali - die Muttersprache der Menschen in Old Bank. Gali Gali ist eine Kreolsprache, die aus afro-antillischem Englisch, Spanisch und der indigenen Sprache Ngöbe-Buglé entstanden ist. Sie ist fröhlich und freundlich und fast klingt es so, als ob die Menschen miteinander singen würden.

Rafael, unser Vermieter, erzählt uns, dass das Leben auf Bastimentos mit den Touristen einfacher geworden ist. Bis in die 90er-Jahre mussten die meisten Männer tagtäglich nach Changuinola aufs Festland fahren, um auf den Bananenplantagen schwer zu schuften. Heute finden viele wieder Arbeit auf der Insel - als Fischer oder kleine Bauern. Die Kinder gehen bis zur Mittelstufe in Old Bank zur Schule und fahren anschließend nach "Bocas", wie die Hauptinsel Colon unter Einheimischen genannt wird. Die zehn Minuten mit dem Boot von Bastimentos nach Bocas bringen einen in eine "andere" Welt. Auf der Hauptinsel hat der Tourismus viel stärker Fuß gefasst, gilt sie doch als einer der neuen Hot Spots unter vielen Reisenden.


Reggaeparty am Freitag Abend - wenig Licht, laute Musik und gute Stimmung. Foto: Katja Fleischmann

Ein Hotel reiht sich ans andere und das Nachtleben vibriert. Bastimentos ist dagegen noch ein wahrlich authentischer Flecken - ruhig und einen Tick langsamer, ganz wie es dem karibischen Klischee entspricht. Wie lange das noch so bleibt ist aber möglicherweise eine Frage der Zeit. Noch ist es ein Highlight wenn am Freitag Abend einmal eine Reggae-Party stattfindet. Aden und seine Freunde vom Supermarkt machen groß Werbung und laden uns ein. Nach den Bastimentos Beachboys bestaunen wir diesmal die lässigen Moves der Jungs, die sich zur dröhnenden Musik aus den Lautsprechern bewegen und dabei wirklich cool aussehen. Am nächsten Tag treffen wir sie dann wieder vor dem Supermarkt.

"What´s up?", meint Aden und fragt wie uns die Party gefallen hat. Er lacht wie immer und zeigt seine strahlend weißen Zähne. Wir zeigen mit dem Daumen nach oben und lachen zurück. Wir sprechen kein Gali Gali und nicht dasselbe Englisch, doch eine nette Geste reicht um sich zu verstehen. (Katja Fleischmann)

 

  • Nach 40 Minuten durch den Regenwald am Ziel: der Wizard Beach.
    foto: katja fleischmann

    Nach 40 Minuten durch den Regenwald am Ziel: der Wizard Beach.

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