GM zeigt sich zum Verkauf von Opel bereit

18. Februar 2009, 17:38
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Zwischen totalem Kahlschlag der General-Motors-Werke in Europa und einem Investor, der Opel neu auf Spur bringen könnte, ist alles möglich

Frankfurt/Detroit - Im Kampf um die Zukunft des Autobauers Opel hat sich die europäische GM-Tochter General Motors Europe (GME) offen für einen Einstieg fremder Geldgeber bei Opel gezeigt. "Wenn es für den nachhaltigen Erfolg von GME und Opel Sinn macht, ist das Management auch bereit, über Partnerschaften und Beteiligungen mit Dritten zu verhandeln", hieß es am Mittwoch in einer Erklärung.

Die europäische Konzernflügel und die Vertreter der Belegschaft seien der "festen Überzeugung, dass Opel als Kernmarke des europäischen GM-Geschäfts eine gute Zukunft hat". Voraussetzung sei jedoch, dass die "entsprechenden finanziellen Rahmenbedingungen geschaffen werden können".

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Washington/Frankfurt/Wien - Die nun vorgelegten Sanierungsprogramme der beiden Autoriesen General Motors (GM) und Chrysler sehen tiefe Einschnitte in allen Unternehmensbereichen vor. US-Finanzminister Timothy Geithner leitet die Eingreiftruppe, die diese vorgelegten Konzepte nun bewerten soll. Bis 31. März soll die Entscheidung über die Zukunft der US-amerikanischen Autoindustrie gefällt werden, deren jahrzehntelang verfehlte Produktpolitik samt ständiger Überproduktion die Autoriesen in der derzeitigen Wirtschaftskrise besonders anfällig macht.
Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehört, dass General Motors seine Markenpolitik auf den Prüfstand stellt.

Die Zukunft der Marke Opel sei völlig offen, Investoren seien willkommen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von General Motors Europe (GME), Opel und dem GME-Gesamtbetriebsrat. Dass die Chancen für einen Opel-Verkauf gut sind, darüber hält man sich bedeckt: Für die schwedische GM-Tochter Saab fand GM bisher keinen Käufer. Sicher ist, dass die US-Marken Hummer und Saturn auf der Streichliste stehen.

Aspern-Zukunft unsicher

In den deutschen Opel-Werken geht angesichts des harten Sanierungskurses der US-Mutter General Motors die Angst um die Arbeitsplätze um. General-Motors-Chef Rick Wagoner kündigte in der Nacht zum Mittwoch an, der Konzern werde 47.000 Stellen streichen - davon 26.000 außerhalb der USA. In den USA will GM fünf Werke schließen. Weltweit beschäftigt der Autobauer 245.000 Menschen. Im GM-Powertrain-Werk in Wien-Aspern, das Opel zuliefert, müssen wegen der Krise seit Mitte Jänner 1540 von insgesamt 1850 Mitarbeitern kurzarbeiten.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner erklärte, er halte in der derzeitigen Situation nichts davon, zum GM-Management in Detroit zu reisen, um die österreichische Sicht der Dinge darzulegen. Er wisse nicht, ob das Werk in Aspern gute Karten habe, im Rahmen des Konzernumbaus zu überleben, bestätigte ihm Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer: "Aspern liegt bei allen Benchmark-Vergleichen ganz vorne, ob das was nutzt, kann ich nicht sagen." Jedenfalls zeigten sich die Minister offen, sollte es zusammen mit Deutschland eine Lösung irgendeiner Art geben.

"In Abstimmung mit Deutschland ist es notwendig, dass es eine europäische Lösung gibt", erklärte Mitterlehner. Eine Reise nach Detroit aber würde zum derzeitigen Zeitpunkt "als billige Show empfunden" . Auch in Deutschland gab sich Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bedeckt. Im Augenblick könne die Politik nichts machen, weil die notwendigen Konzepte von Opel noch nicht vorliegen. "So etwas kann ohne die Mutterfirma in Detroit nicht stattfinden", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

GM hatte in dem Sanierungskonzept um weitere Milliardenkredite gebeten; will aber die gewährten Kredite bis 2012 wieder abbauen. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.02.2009)

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    Damit bei Opel der Motor nicht ganz abgestellt wird, ist angedacht, die GM-Tochter an Investoren zu verkaufen. Dies wäre auch eine neue Chance für das GM-Werk in Aspern.

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