Skisprung-Training mit Hilfe aus dem All

17. Februar 2009, 20:31
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Forscher haben ein Satellitensystem entwickelt, mit dem das Training der Skispringer verbessert werden könnte

Der österreichische Cheftrainer Alexander Pointner sieht natürlich mit freiem Auge, ob alles klappt beim Skisprung: Kommt der Sportler rechtzeitig von der Schanze weg? Wie ist seine Körperhaltung? Trägt ihn das eine oder andere Lüfterl? Die Analyse ist sein Trainerjob. Wollte er aber die Geschwindigkeit und die genau Höhe wissen, in der Gregor Schlierenzauer oder Thomas Morgenstern dahinsegeln, dann müsste Pointner die Technik zu Hilfe nehmen. Technik, die es in dieser Kombination noch nicht gibt, die aber gerade entwickelt wird von Forschern aus Graz und Innsbruck. Am Helm des Springers wird eine Antenne angebracht, die naturgemäß weder zu schwer noch behindernd sein sollte. So kann er von den in etwa 20.000 Kilometern über der Erde fliegenden Satelliten des US-Navigationssystems GPS geortet und seine Bewegung durch Raum und Zeit exakt gemessen werden.

Alle fünf Hundertstelsekunden werden Daten gemessen. Das aber ist gar nicht so einfach: "Das Signal, das am Helm empfangen wird, wird von den Satelliten mit der Energie einer Glühbirne weggeschickt", sagt Bernhard Hofmann-Wellenhof, Vorstand des Instituts für Navigation und Satellitengeodäsie der TU Graz, das auch die Projektleitung übernommen hat. Mindestens vier Satelliten sind notwendig, um zu verwertbaren Ergebnissen zu kommen. Die Forscher hoffen auf den baldigen zusätzlichen Einsatz von Satelliten des europäischen Systems Galileo. "Je mehr, desto genauer die Daten."

Das Institut für Digitale Bildverarbeitung am Joanneum Research ergänzt die Daten durch eine präzise Videoanalyse, am Institut für Sportwissenschaften der Universität Innsbruck wird ausgewertet, welche Rückschlüsse auf das Training des Sportlers gezogen werden könnten. Nutznießer will der Österreichische Skiverband (ÖSV) sein. Manfred Wieser, Projektkoordinator an der TU Graz, glaubt, dass man aus Höhe und Geschwindigkeit "einige wichtige Informationen für das Training der Springer ableiten kann. Springer A kommt auf keine gute Weite, Springer B schon. Beim Vergleich der Parameter wird man die Unterschiede sehen."

Die bisherigen Tests auf der Bergisel-Schanze führten freilich nicht die derzeit erfolgverwöhnten Herren Schlierenzauer oder Loitzl durch, sondern Sportler des C-Kaders und ein Springer, der nur auf der Tiroler Schanze arbeitet - zum Beispiel für Showflüge.

Pech mit dem Wetter

Mit den bisherigen Testergebnissen sind Hofmann-Wellenhof und Wieser nicht hundertprozentig zufrieden. "Wir hatten Pech mit dem Wetter." Weshalb erst im Herbst 2008 und im Jänner 2009 Sprünge mit Antenne am Helm durchgeführt werden konnten. Außerdem sei die Signalübertragung durch den dichten Wald am Bergisel recht häufig unterbrochen worden.

"Bis der ÖSV das System verwenden kann, müssen wir noch einige Verbesserungsarbeiten durchführen." Weshalb Wieser auf eine Fortsetzung des Projekts hofft, das bisher 300.000 Euro Budget hatte. 136.850 Euro wurden dabei vom Infrastrukturministerium über das von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG abgewickelte Weltraumprogramm (Austrian Space Programme ASAP) beigesteuert.

Das Grazer Institut für Navigation und Satellitengeodäsie und die TeleConsult Austria haben bereits einmal ein ganz ähnliches System für den Österreichischen Skiverband entwickelt, das dieser im Training der Skifahrer auch schon in Gebrauch hat. Hier wurden die Zahlen des GPS-Satelliten mit biometrischen Daten kombiniert. Damit die Trainer wissen, in welchen Kurven und bei welchen Toren der Puls von Benni Raich und Co höher schlägt. (Peter Illetschko/STANDARD,Printausgabe, 18.2.2009)

  • Gregor Schlierenzauer testet auch im Sommer den idealen Absprung.
    foto: foto: rutgerpauw.com/ red bull photofiles

    Gregor Schlierenzauer testet auch im Sommer den idealen Absprung.

  • Gregor Schlierenzauer bei der Arbeit: Exakte Berechnungen der Flugbahn der Skispringer sollen in Hinkunft über Satellit möglich sein.
    foto: foto: rutgerpauw.com/ red bull photofiles

    Gregor Schlierenzauer bei der Arbeit: Exakte Berechnungen der Flugbahn der Skispringer sollen in Hinkunft über Satellit möglich sein.

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