"Damit Wasser auch in 100 Jahren noch fließt"

17. Februar 2009, 20:19
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Die Geologische Bundesanstalt bekommt einen neuen Leiter: Peter Seifert, bisher OMV-Manager, im STANDARD-Interview über ungenütztes Wasser, Sand und Kooperationen mit der OMV

STANDARD: Sie waren 28 Jahre in der Ölindustrie tätig. Inwieweit können Sie Ihre Erfahrungen in einer wissenschaftlichen Einrichtung einbringen?

Seifert: Ich hatte seit einiger Zeit den Wunsch, in Richtung Nachhaltigkeit zu arbeiten, wo ich auch die Erfahrungen aus der Ölindustrie einbringen kann. Als Erdwissenschafter habe ich den Kontakt zur Grundlagenforschung nie verloren und habe in den letzten zehn Jahren auf der Montan-Universität Leoben und dem Erdwissenschaftlichen Institut der Uni Wien Vorlesungen gehalten.

STANDARD: Und inwieweit sind Management-Qualitäten gefragt?

Seifert: Es war offenbar ein Anliegen der Berufungskommission, jemand zu ernennen, der einerseits Kontakte zu Unis und zur Wissenschaft hat, auf der anderen Seite aber auch in Zukunft dafür sorgen wird, dass Projekte ordentlich durchgeführt werden und Ergebnisse in einem gewissen Zeit- und Budgetrahmen vorliegen. Bei Forschungsprojekten gibt es ständig die Gefahr, dass es kein klar definiertes Ende und Ergebnis gibt.

STANDARD: Die 1849 gegründete Geologische Bundesanstalt (GBA) ist eine sehr traditionsreiche wissenschaftliche Einrichtung. Was soll sich unter Ihrer Leitung ändern?

Seifert: Die Motivation der Mitarbeiter ist sehr hoch, jetzt geht es darum, dass sich auch die Zufriedenheit der vorgesetzten Stelle, also des Wissenschaftsministeriums, erhöht, im Sinne davon, dass man überprüft, welche Aufgabenstellung heute noch gesellschaftlich relevant ist, und die Schwerpunkte adjustiert. So sollen etwa großflächige regionale Studien zu strategischem Wassermanagement und zu Geothermie durchgeführt werden. Hier gibt es bislang nur vereinzeltes Wissen.

STANDARD: Was sind weitere Kernaufgaben in Zukunft?

Seifert: Hauptziel ist es, erdwissenschaftliche Daten zu sammeln, zu ordnen, zu interpretieren und schnell und übersichtlich jedem zur Verfügung zu stellen, der sie braucht, sowohl Privatfirmen wie Zivilingenieurbüros und Straßenbaufirmen als auch Gemeinden, die etwa einen neuen Raumordnungsplan erstellen, eine Genehmigung für eine Schottergrube erteilen oder Naturrisken wie gleitende Hänge oder Bergstürze erfassen wollen. Das kann auch für Versicherungen von Interesse sein. Daneben werden Vorkommen von Mineralrohstoffen wie Magnesit, Eisenerz und Kupfer sowie von nichtmineralischen Rohstoffen wie Schotter, Sand, Ton erfasst. Strategisch ist es wichtig, zu wissen, was es wo gibt, auch wenn es noch so harmlose Ressourcen sind.

STANDARD: Ressourcensicherheit, Vorbeugung von Naturkatastrophen und Wasserversorgung sind brennende Themen. Wie können Sie zu mehr Nachhaltigkeit beitragen?

Seifert: Wir sind Experten für das komplexe System Erde und können uns in Zukunft stärker bei regionalen Entwicklungsplänen einbringen. Wir müssen klarmachen, dass Wasser ein unglaublich wertvoller Bodenschatz ist, der geschützt werden muss. In der Raumplanung muss klar sein, dass wir noch mehr als 50 Jahre lang verfügbare Flächen für Sand, Schotter und Ton haben wollen. Wenn manche Gemeinden sich nicht zurückhalten, einzelne Häuschen irgendwo in der Prärie zu genehmigen, werden wir in 40 Jahren Sand aus Tschechien importieren müssen, und diese peinliche Situation möchte ich nicht erleben. Es kann nicht jeder machen, was er will.

STANDARD: Wie steht es um die heimischen Wasserressourcen?

Seifert: Wir benützen das Wasser, das vom Himmel kommt und dann in Flüssen und Seen landet, ungefähr zu sieben Prozent. Die ungenutzten Reserven könnten besser genutzt werden, indem man die Gemeinden informiert, wo Wasser vorhanden ist, woher das Wasser in den Brunnen kommt und welche Gebiete man schützen muss, damit das Wasser auch die nächsten 100 Jahre fließt - in hoher Qualität.

STANDARD: Als Direktor der GBA werden Sie auch mit Ihrem ehemaligen Arbeitgeber OMV zu tun haben?

Seifert: Gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur und dem Future Energy Fund der OMV gibt es seit einem Jahr ein Projekt zu Geothermie. Es geht darum zu testen, wie viel Warmwasser aus gewissen geologischen Körpern an die Oberfläche gebracht werden kann, wie hoch die Fließrate ist und wie viel Wärme man über Wärmetauscher rausholen kann. Angedacht ist eine zweite Kooperation zu CO2-Sequestration, also das Einpressen von CO2 in unterirdischen Lagerstätten, wo früher Methangas gefunden wurde.

STANDARD: Sehen Sie da keinen Interessenkonflikt?

Seifert: Nein, weil die GBA keinerlei wirtschaftliches Interesse hat. Es ist unsere Aufgabe, der Gesellschaft und auch den Firmen als Teil der Gesellschaft alles zur Verfügung zu stellen, was bekannt ist. Bei der Suche nach neuen Lagerstätten ist die GBA die Behörde, die im Auftrag des Staates jene Daten sammelt und archiviert, die die Erdölfirmen bei Bohrungen erarbeiten. Die Bundesanstalt ist ja bezüglich Personal und Geld sehr limitiert und froh, dass es die Ölindustrie gibt, die dann neue Daten erbohrt. (Karin Krichmayr/STANDARD,Printausgabe, 18.2.2009)

Zur Person
Peter Seifert (54) war für die OMV als Explorer in Südosteuropa, Russland, Kasachstan, Usbekistan, und der Türkei unterwegs. Zuletzt leitete er als General Manager bei OMV Petex im Nordirak den Aufbau eines lokalen OMV-Büros. Am 1. März tritt der Geologe sein Amt als Direktor der Geologischen Bundesanstalt (GBA) an und wird Nachfolger von Hans-Peter Schönlaub.

Link
+ www.geologie.ac.at

  • Ton, Steine, Schiefer - Gestein und Mineralien sind nicht die einzigen Leidenschaften von Geologen. Auch die Sicherung "harmloser" Ressourcen wie Schotter und Sand sowie alternativer Energien bestimmen ihre Arbeit.
    foto: der standard/newald

    Ton, Steine, Schiefer - Gestein und Mineralien sind nicht die einzigen Leidenschaften von Geologen. Auch die Sicherung "harmloser" Ressourcen wie Schotter und Sand sowie alternativer Energien bestimmen ihre Arbeit.

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