Spionagekrimi um Kasachstans Ex-Botschafter

17. Februar 2009, 19:50
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Im Kampf zwischen dem kasachischen Staatspräsidenten und seinem Ex-Schwiegersohn geht es um Macht, Geld und Hass

Dass ein Urteil des Landesgerichts für Strafsachen in Wien im August 2007 keinesfalls einen Schlussstrich unter den Fall Aliew zieht, sondern einmal kasachische Agenten gegen den österreichischen Staat aufbringt, hätte sich in der Regierung wohl niemand träumen lassen. Absehbar war es trotzdem. Im Kampf zwischen den kasachischen Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew und seinem Ex-Schwiegersohn Rakhat Aliew geht es um zu viel Macht, Geld und persönlichen Hass.

Im Mai 2007 hatte Kasachstan seinen Botschafter in Wien des Amtes enthoben und dann rasch ein Auslieferungsgesuch folgen lassen. Die österreichische Justiz lehnte ab - sie glaubte nicht an ein rechtsstaatliches Verfahren in Kasachstan. Der Staatschef des zentralasiatischen Landes fühlte sich gleich zweifach beleidigt: Kasachstan kandidierte für den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) - es wird ihn nun 2010 erhalten; und Nasarbajew wurde um eine persönliche Revanche gebracht. Denn Rakhat Aliew war nicht irgendein Botschafter.

Der heute 46-jährige Aliew, der zeitweise in seiner bewachten Privatresidenz im Wiener 19. Bezirk lebt oder im europäischen Schengen-Raum unterwegs ist, für den er ein Visum hat, dürfte zu viel belastendes Material gegen den autokratisch regierenden Präsidenten in Kasachstan in der Hand haben. Als früherer Chef der Finanzpolizei, stellvertretender Direktor des Geheimdienstes KNB und Vizeaußenminister weiß Aliew um die Machenschaften in der Gas- und Ölrepublik. Immer wieder kündigte er eine Aussage im "Kasachgate" an, einem Justizfall in den USA, wo es um 78 Millionen Dollar an Schmiergeld geht, das amerikanische Ölfirmen an den kasachischen Präsidenten gezahlt haben sollen.

Vor allem aber war Aliew mit Dariga Nasarbajewa verheiratet, der ältesten Tochter des Präsidenten, und gehörte damit lange dem engsten Führungskreis an. Seine Ehe mit Dariga wurde 2007 mit einem offensichtlich gefälschten Dokument zwangsgeschieden, Aliews ältester Sohn Nurali übernahm später die Führung der Nurbank, die dem Vater mehrheitlich gehörte.

Kasachstan machte Aliew in Abwesenheit den Prozess wegen der Entführung zweier Manager der Nurbank. Aliew stellt seinen Konflikt mit Nasarbajew anders dar: Er hatte den kasachischen Staatschef wegen demokratischer Rückschritte kritisiert und Ansprüche auf eine Präsidentschaftskandidatur angemeldet. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2009)

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