Pacult: "Manchmal bin ich dünnhäutig"

17. Februar 2009, 19:19
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Peter Pacult spricht über den österreichischen Fußball, Team­chef Brückner, die angeblichen Millionengagen, den Schlendrian und über grün-weißes Blut

Standard: Hatten Sie je Kontakt mit Teamchef Karel Brückner?

Pacult: Nein.

Standard: Warum nicht?

Pacult: Das muss man Brückner fragen. Es ist aber schon komisch, weil Rapid Teamspieler stellt.

Standard: Beleidigt?

Pacult: Überhaupt nicht. Er ist seit einem halben Jahr im Amt und hat mit keinem Trainer gesprochen. Mich stört, dass ein österreichischer Teamchef praktisch nie zuschaut. Der Italiener Capello sitzt jede Woche in England auf der Tribüne, weil er Englands Trainer ist. Den Vorwurf muss sich Brückner gefallen lassen. Ich schaue mir ja auch nicht nur die Rapid-Partien an. Beobachten gehört zum Job, nicht böse sein, die DVD-Studien in Olmütz sind eine zusätzliche Selbstverständlichkeit. Man sollte durch seine Anwesenheit dem Arbeitgeber Respekt zollen.

Standard: Leiden die Klubs unter den Misserfolgen des Teams?

Pacult: Rapid, Salzburg oder Sturm leiden nicht. Das belegen die Zuschauerzahlen. Das Problem ist, dass wir international keinen besonderen Ruf genießen. Aber daran tragen die Vereine Mitschuld, die Erfolge im Europacup waren zuletzt nicht ausufernd.

Standard: Gibt es ein Grundübel im österreichischen Fußball? Einen Teufelskreis, in dem man verharrt?

Pacult: Den gibt es. Der Holländer hat seine Art, der Italiener, der Deutsche und der Tscheche haben auch ihren Stil. Dem Österreicher fehlt das Tempo, die Bewegung ohne Ball. Diesen Schlendrian kriegt man nicht raus. Was Hänschen nicht lernt, lernt der Hans auch nicht mehr. Wir werden zu selten gefordert. Die Liga ist gut, im Sinne von spannend. Der Titelkampf in Spanien oder Italien ist sicher langweiliger, davon haben wir aber nichts.

Standard: Warum haben Sie bei Rapid den Vertrag nur um ein Jahr verlängert?

Pacult: Weil beide Parteien, Präsident Rudolf Edlinger und ich, damit zufrieden sind.

Standard: Welche Visionen hat Rapid? Der Klub muss sparen, negatives Eigenkapital abbauen. Aus einenem Minimum soll das Maximum herausgeholt werden. Das muss doch mühsam sein. Oder sind Sie ein Realist, der die wirtschaftlichen Gegebenheiten akzeptiert?

Pacult: Das ist doch in ganz Österreich so, Salzburg ausgenommen. Wir haben wenig Fernsehgelder, sind überhaupt eingeschränkt. Rapid versucht immer, vorne mitzumischen. Das ist ein hohes, machbares Ziel. Man kann auch mit einem geringeren Budget Meister werden, sofern man gut arbeitet.

Standard: Kann die Wirtschaftskrise zu einem Reinigungsprozess im Fußball führen?

Pacult: Man muss da aufpassen. In Österreich gibt es kaum Millionengagen. Mich ärgern die Klischees, es verdienen ja auch nicht alle Skifahrer so viel wie der Maier. Wir haben keine Beckhams. Unsere Fußballer müssen sich zwar nicht beschweren, aber sie sind finanziell weit weg von der Welt.

Standard: Rapid hat sich als Ausbildungsverein positioniert. Es rücken tatsächlich Talente nach, zuletzt Drazan, auch der junge Prosenik soll begabt sein.

Pacult: Ich kann das Wort Ausbildungsverein nicht hören. Jeder Verein bildet aus, sonst würde der Fußball aufhören. Auch nach Beckenbauer war nicht Schluss. Es stimmt aber, dass wir gute Eigenbauspieler haben.

Standard: Sie haben oft Probleme mit Medien, reagieren auf Fragen angefressen. Suchen Sie Konflikte?

Pacult: Nein. Ich mag es nicht, wenn Leute Dinge behaupten, ohne mit mir gesprochen zu haben. Das zieht sich wie ein roter Faden durch. Ich wehre mich gegen Ungerechtigkeiten. Außerdem muss ich nicht alles ausplaudern.

Standard: Ihnen werden auch Kommunikationsschwierigkeiten mit der Mannschaft nachgesagt.

Pacult: Blödsinn, das ärgert mich am meisten, das wurde schon am zweiten Tag meiner Tätigkeit behauptet. Das sind Gerüchte, die übernommen werden.

Standard: Wie gehören Spieler behandelt?

Pacult: Da gibt es keine Norm. Ich habe jedenfalls einen Draht, dafür sprechen auch die Ergebnisse.

Standard: Ist das Ergebnis die einzige Wahrheit?

Pacult: Vielleicht. Es wird nicht honoriert, was du entwickelt und bewegt hast. Der Weitblick zählt kaum, man ist immer im Konflikt. Es soll nicht entscheidend sein, wie lieb man zu Journalisten ist.

Standard: Am Sonntag steigt das Match bei Red Bull Salzburg. Wäre Rapid im Falle einer Niederlage aus dem Titelrennen?

Pacult: Man darf Sturm Graz und die Austria nicht vergessen, die Tabellensituation ist verwischt. Egal, wie es ausgeht, Rapid wird weiterhin attraktiv sein. Es ist eine Mannschaft, die körperlich top ist, das ist meine Handschrift. Ich fühle mich nicht ungerecht behandelt. Aber damals, nach dem 7:0 in Salzburg, bin ich gar nicht groß gefeiert worden. Das tat ein bisserl weh, manchmal bin ich dünnhäutig.

Standard: Hans Krankl sagt, in seinen Adern fließt grün-weißes Blut.

Pacult: Meines ist rot. Aber Rapid ist schon etwas Besonderes, da ticken die Uhren wirklich anders. (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 18. Februar 2009)

ZUR PERSON: Der Wiener Peter Pacult (49) ist seit September 2006 Trainer von Rapid. Im Vorjahr wurde er Meister, sein Vertrag dauert bis 2010.

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    Am Sonntag schreit Peter Pacult in Salzburg. Sollte Rapid verlieren, hätten die Bullen nach Verlustpunkten ein Plus von zehn.

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