Kampf um die Ausweitung der Kernzone

17. Februar 2009, 19:10
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Günstigere Tarife würden mehr Pendler zum Umstieg auf Öffis bewegen, glauben Wiens Grüne - Beim Verkehrsverbund betrachtet man den Vorschlag mit Skepsis

Wien - Pendler, die aus den Wiener Umlandgemeinden mit den Öffis zu ihrem Arbeitsplatz nach Wien fahren, zahlen im Moment für eine Wochenkarte beim Verkehrsverbund Ostregion (VOR) derzeit 24 Euro. Zu teuer, finden die Wiener Grünen und forderten am Dienstag die Ausweitung der Tarife der Kernzone auch auf die erste Außenzone des VOR. Innerhalb der Zone 100 kostet eine Wochenkarte derzeit 14 Euro.

Nach Schätzungen der Grünen fahren derzeit täglich 100.000 Autos mit niederösterreichischem Kennzeichen in Wien. Allein ein Drittel der Pendler komme aus dem Umlandgemeinden im Nordosten.

Anreiz zum Umstieg

Günstigere Tarife durch eine erweiterte Kernzone wären für viele ein Anreiz, ihre Autos bereits bei den Bahnhöfen vor der Wiener Stadtgrenze stehen zu lassen, sagte Umweltsprecher Rüdiger Maresch in einer Pressekonferenz. "Denn", so Maresch, "wer mit dem Auto kommt, fährt gleich bis zum Arbeitsplatz." Parkgaragen auf Wiener Stadtgebiet stünden häufig nahezu leer. Maresch: "Die Park-&-Ride-Anlage Leopoldau an der Endstation der U1 verzeichnet eine durchschnittliche Auslastung von nur 15 Prozent."

"Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ) hat im Finanzausschuss aus Kostengründen einer Ausweitung der Kernzone eine Absage erteilt", sagte Grünen-Budgetsprecher Martin Margulies. Brauner hatte die Kosten zwischen neun und 15 Millionen Euro angesetzt. Dabei würde die Stadt Wien allein aus der Parkraumbewirtschaftung und den Verwaltungsstrafen jährlich netto 70 Millionen Euro lukrieren. Margulies: "Es stimmt nicht, dass die Stadt kein Geld hat, um diese Maßnahmen umzusetzen." Wien könne sich zum Beispiel bei der Errichtung von Park-&-Ride-Plätzen bei den Bahnhöfen im Umland beteiligen, so Margulies.

"Wir können doch nicht das Geld aus der Parkraumbewirtschaftung nach Niederösterreich tragen", kontert Karlheinz Hora, Verkehrssprecher der SPÖ und Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Nicht zuletzt müsste sich auch das Land Niederösterreich beteiligen. Erich Valentin (SP), der derzeitige Vorsitzende des VOR-Aufsichtsrates, verwies in einer Aussendung darauf, dass die Attraktivität von Öffis nicht allein vom Tarif abhänge, sondern auch von den Intervallen, dem Komfort und der Erreichbarkeit.

Ginge es nach den Gemeinden, dann wären alle gern in der Kernzone, sagt VOR-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl im Gespräch mit dem Standard. Sogar jene, die am äußersten Rand des Verkehrsverbundes liegen. "Wie weit soll man die Kernzone also schieben?" Eine Erweiterung wäre zudem eine massive finanzielle Belastung für die Gemeinden. Außerdem sei die Wiener Stadtgrenze als Zonengrenze einfach leicht begreifbar, sagt Reinagl. "Es ist jedenfalls sinnvoller, jeden freien Euro in eine Verdichtung der Intervalle zu stecken als in eine Ausweitung der Zone 100." (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2009)

  • Wer aus einer Umlandgemeinde nach Wien pendelt, muss derzeit meist für eine Strecke zwei Streifen à 1,70 Euro zwicken
    der standard/heribert corn

    Wer aus einer Umlandgemeinde nach Wien pendelt, muss derzeit meist für eine Strecke zwei Streifen à 1,70 Euro zwicken

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