Hund und Homepage, Helfer und Hoffnung

17. Februar 2009, 18:55
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Drei bis vier Medaillen erhofft der ÖSV von seinen Nordischen. Die Veranstalter erhoffen weniger Pro­bleme als bei der Generalprobe

„Sie haben zumindest die wichtigste Voraussetzung, sie haben Schnee." Anton Innauer, Sportdirektor für Sprunglauf und Kombination im ÖSV, wagt keine tiefgreifende Prognose bezüglich des Gelingens der 47. Nordischen Weltmeisterschaften, die am Mittwochabend in Liberec mit Sicherheit feierlich eröffnet werden. Schließlich ist die Generalprobe für die zweite einschlägige Veranstaltung auf tschechischem Boden nach 1925, als Johannisbad im Riesengebirge als Gastgeber fungierte, vor einem Jahr einigermaßen danebengegangen. Das lag einerseits am Schneemangel in Nordböhmen, andererseits aber an gravierenden Organisationsschwächen.

Die sollten behoben sein, da das OK ausgewechselt und die Veranstaltung durch eine Geldspritze der Regierung in Höhe von umgerechnet sieben Millionen Euro vor der Pleite gerettet worden ist. „Es hat geschneit, es ist kalt, und die Organisation ist zu hundert Prozent bereit für eine tolle WM", sagt Katerina Neumannova (36), Langlauf-Olympiasiegerin von Turin und neue WM-Chefin.

Tatsächlich haben sie in Liberec, dem ehemaligen Reichenberg hart an der Grenze zu Deutschland und Polen, derzeit eher das Problem, des Naturschnees Herr zu werden, der die fixfertig mit Kunstschnee präparierten Wettkampfstätten - die Sprunganlagen mit Normal- und Großschanze im Skigebiet Jested und die Loipen im Langlaufzentrum Vesec - deckt. Auf der geglückt übersetzten WM-Homepage nimmt man sich diesbezüglich kein Blatt vor den Mund. „In der Nacht hat sich ein Winterdreckwetter über das Land vorübergestürmt. Der scharfe Wind hat noch den ganzen Vormittag die Schneeflocken, die im Gesicht stechen und Verwehungen bilden, ausgeblast. Bei solchem Wetter jagt man nicht einmal den Hund hinaus", steht da geschrieben.

Dafür wurden viele Helferleins hinausgeschickt, um die 100.000-Einwohnerstadt mit ihrem äußerst schmucken Kern herauszuputzen für den Ansturm der Fans. Der wird sich, so fürchtet selbst Kommunikationschef Zdenìk Soudný, jedoch in Grenzen halten. Im Kartenvorverkauf wurden bisher noch nicht einmal die Hälfte der eingeplanten Einnahmen lukriert. Auf 150.000 bis 200.000 Zuseher bis zum Abpfiff am 1. März wird unverdrossen gehofft.
Bei Vergabe der WM an Liberec, das sich im Juni 2004 beim FIS-Kongress im bekannten Ski-Hotspot Miami, Florida, gegen Oslo durchsetzte (die Norweger kommen 2011 zum fünften Mal zum Zug), hoffte man noch vom deutschen und polnischen Skisprung-Boom zu profitieren. Allein, weder Martin Schmitt und Kollegen, noch der ewige Adam Malysz garantieren Medaillen für Fans, die trotz mutiger Hotelpreise und Berichten über engagierte Langfinger in diesen Ort reisen.

Weiße Tiger, graue Herren

Kommunikationschef Soudný hält tapfer mit günstigem Bier, den Schönheiten der Stadt und dem Kulturprogramm dagegen. Dessen Höhepunkt bringt schon die Eröffnung in der Tipsport Arena, einer Mehrzweckhalle, wie sie nur so zum Beispiel Wien nicht besitzt. Wo sonst die Eishockeycracks der Weißen Tiger aus Liberec vor bis zu 7500 Menschen wirken, werken am Mittwoch die eher grauen Herren von Deep Purple.
Der Rest der Musik spielt in Form von allabendlichen Popkonzerten auf der sogenannten Medal Plaza im Stadtzentrum am Edvard-Beneš-Platz vor dem schmucken Neorenaissance-Rathaus des Wiener Architekten Franz Ritter von Neumann.

Der Vorarlberger Architekt der nordischen ÖSV-Erfolge, Anton Innauer also, möchte sich drei- bis viermal hier einfinden, um österreichische Medaillen zu feiern. Die Erfahrung lehrte den eigentlichen Chef der ÖSV-Mission Vorsicht. Zwei bis drei Medaillen sollten es vor zwei Jahren in der so gar nicht mit Liberec zu vergleichenden japanischen Millionenstadt Sapporo sein. Geworden sind es dann zwei durch die Skispringer (Teamgold, Bronze für Thomas Morgenstern), die Kombinierer ließen aus. Mit einer dem Saisonverlauf entsprechende Ausbeute sollten Springer und Kombinierer in Liberec die alpinen Kollegen aber locker in den Sack stecken. Auf eine derart tiefgreifende Prognose lässt sich Innauer natürlich nicht ein. (Sigi Lützow aus Liberec, DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 18. Februar 2009)

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    Das liebliche Liberec_hat den Rathausplatz zusätzlich rausgeputzt, sogar der Schnee ist ganz echt. Mit einem Ansturm der Fans wird nicht unbedingt gerechnet, dafür sind das Bier und auch das kulturelle Programm recht günstig zu haben.

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