Russland sucht neue Abnehmer für Öl und Gas

17. Februar 2009, 18:45
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Der Osten rückt in den Mittelpunkt: Milliardenvertrag mit China, Flüssiggasexporte starten

Moskau - Russland versucht seine Energielieferungen zunehmend zu diversifizieren. Dabei rückt vor allem Asien in den Mittelpunkt der russischen Öl- und Gaskonzerne. Am Dienstag haben sich Russland und China nach monatelangen Verhandlungen auf ein Öllieferabkommen mit einem Wert von 25 Milliarden Dollar (knapp 20 Milliarden Euro) geeinigt. Damit ist der Vertrag, der China 20 Jahre lang die Lieferung von rund 300.000 Barrel Öl pro Tag garantiert, das größte Energieabkommen Russlands.

Im Gegenzug gewährt China laut Interfax den russischen Ölkonzernen Rosneft und Transneft Kredite von 15 Milliarden Dollar beziehungsweise zehn Milliarden Dollar. Rosneft und Transneft haben dies noch nicht bestätigt. Die russischen Energiekonzerne leiden unter dem von der globalen Finanzkrise ausgelösten Liquiditätsengpass und mussten bereits um Staatshilfe ansuchen.

Darüber hinaus haben der russische Pipeline-Monopolist Transneft und Chinas staatlicher Ölkonzern CNPC ein Abkommen über den Bau einer Abzweigung der geplanten Ostsibirien-Pazifik-Pipeline an die chinesische Grenze besiegelt.

Flüssiggas für Japan

Auch beim Export von Gas orientiert sich Russland Richtung Osten. Der russische Gasriese Gasprom beginnt heute auf der fernöstlichen Insel Sachalin mit der Produktion von Flüssiggas. Das auf Sachalin produzierte Flüssiggas, auch liquefied natural gas (LNG) genannt, ist vor allem für die Exportmärkte in Asien und Nordamerika bestimmt. Mit dem Einstieg in das Flüssiggasgeschäft will Gasprom eine führende Rolle auf den globalen LNG-Märkten erlangen.

Verflüssigtes Erdgas wird für die weltweite Energieversorgung immer wichtiger. Von niedrigem Niveau ausgehend wird der Markt für Flüssiggas Studien zufolge weltweit bis 2020 um sieben Prozent jährlich wachsen. In Europa wird sich der LNG-Anteil von derzeit zehn Prozent auf geschätzte 20 Prozent verdoppeln. Anders als Erdgas, das von der Pipelineinfrastruktur abhängig ist, kann Flüssiggas auf Tanker verladen und so weltweit verschifft werden.

Eigentlich sollte der Produktionsstart auf Sachalin schon 2008 erfolgen. Der monatelange Streit zwischen Gasprom und dem britisch-niederländischem Energiekonzern Royal Dutch Shell um die Kontrollmehrheit beim Erdgasprojekt Sachalin-2 führte jedoch zu Verzögerungen. Der Kreml warf den Projektbetreibern wiederholt vor, gegen Umweltbestimmungen zu verstoßen und drohte mit dem Lizenzentzug.

Schließlich gab Shell auf und verkaufte 2007 seine Mehrheit am 22 Milliarden Dollar schwerem Projekt Sachalin-2 um mehr als fünf Milliarden Euro an Gasprom. An Sachalin-2 - einem der weltweit größten LNG-Projekte - sind auch die japanischen Konzerne Mitsui und Mitsubishi beteiligt.

Auf Sachalin sollen dieses Jahr sechs Millionen Tonnen LNG produziert werden. Das entspricht rund zwei Dritteln der geplanten Jahreskapazität. Mit den Abnehmern in Japan, Südkorea und Nordamerika wurden langfristige Verträge über 25 Jahre geschlossen. 65 Prozent der Sachalin-Exporte gehen nach Japan. (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2009)

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    Russland will in Asien neue Öl- und Gasmärkte finden.

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