"Dafür hatte Ludwig XIV. einen Degen"

17. Februar 2009, 18:33
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„Schlicht ist elegant" lautet die Regel, die Thomas Schäfer-Elmayer Jugendlichen auch bei Facebook ans Herz legt

Wien - „Gutes Benehmen ist in. Es ist der einzige Luxus, der nichts kostet. Sich in jeder Situation des Lebens richtig verhalten zu können, ist ein so grandioses und souveränes Gefühl, dass es ganze Lawinen von Glückshormonen in uns allen hervorruft", schreibt Thomas Schäfer-Elmayer in seinem Buch Früh übt sich...und es ist nie zu spät. Seine Benimmregeln enden nicht vor den Pforten in die virtuelle Welt. Seine Netiquette bezieht sich auch auf Chats mit Tipps wie: „Persönliche Beleidigungen sind unbedingt zu vermeiden."

SchülerStandard: Facebook ist fünf Jahre alt und auch ein Spielfeld für Ihre Tanzschüler. Waren Sie selber schon einmal auf dieser Website?

Schäfer-Elmayer: Ich kenne Facebook nur vom Hörensagen. Wenn ich das richtig verstehe, ist das eine Internetseite, auf der man sich selber darstellen kann. Wobei man ja eigentlich schon immer eine eigene Homepage machen konnte.

SchülerStandard: Worauf sollte man bei seinem Verhalten auf Facebook achten?

Schäfer-Elmayer: Da würde ich sagen, dass man sehr, sehr aufpassen sollte. Jeder Mensch macht Fehler. Diese sind dann dort öffentlich notiert. Mir fällt da das Wort „Jugendtorheiten" ein: Es ist nun einmal so, man macht irgendwelche Geschichten, die man nie wiederholen würde, die man sehr bereut.

SchülerStandard: Was würden Sie bei der Verwendung solcher Seiten zu bedenken geben?

Schäfer-Elmayer: Man sollte sich gut überlegen, wie exhibitionistisch man sich selber gibt. Wir haben hier in der Tanzschule ein Grundprinzip, wenn man das hier beachtet, könnte es einen vielleicht vor vielem bewahren, und zwar: Schlicht ist elegant. Also nicht zu protzig auftreten, nicht angeben, eher selbstbewusst, aber doch bescheiden bleiben. Alle anderen Dinge bieten zu viel Angriffsfläche.

SchülerStandard: Facebook ist jetzt fünf Jahre alt. Sind diese Regeln genauso neu?

Schäfer-Elmayer: Es hat noch nie Dinge gegeben, wo man sich so international exponiert darstellen konnte. Das ist jetzt eine völlig andere Dimension. Jeder Einzelne von sechseinhalb Milliarden Menschen kann das tun. Wenn es um ein bestimmtes Individuum geht, stehen da Dinge drinnen, die man sich gut überlegen sollte. Der Wahrheitsgehalt ist ganz wichtig, weil nichts peinlicher ist, als wenn man angibt, man hätte dies oder jenes gemacht und dann kommt jemand drauf, dass das nicht stimmt.

SchülerStandard: Sind Ihre Tipps eher Regeln oder Richtlinien?

Schäfer-Elmayer: In meinen Büchern versuche ich, soweit es möglich ist, Regeln zu vermitteln, die sich seit Jahrhunderten entwickelt haben. Aber natürlich ist das nicht überall möglich, weil schließlich Ludwig XIV. weder Internet, Handy, noch sonst irgend so etwas gekannt hat. Dafür hatte er Sachen wie einen Degen, die man heutzutage eher weniger führt. Deshalb haben sich natürlich einige Regeln geändert, und für diese neuen Kommunikationsformen muss man sich überlegen, was wie wirkt.

SchülerStandard: Interessieren sich Jugendliche denn für Ihre Bücher?

Schäfer-Elmayer: Ich erlebe, dass sie desto mehr Interesse daran haben, je weniger sie von zu Hause mitkriegen. Es sind schließlich Spielregeln, die internationale Gültigkeit haben; es geht darum, dass man weiß, wie man die richtigen Signale setzen oder verstehen kann.

SchülerStandard: Würden Sie sagen, dass man Leute, die man „in real life" nicht kennt, auf Facebook zu seinen Freunden hinzufügen darf?

Schäfer-Elmayer: Das ist nicht in Ordnung, und in der Kommunikation wird das ja „namedropping" genannt. Also, dass man dann sagt, „als ich dann kürzlich den Sarkozy getroffen habe", in Wirklichkeit ihn aber nie gesehen hat. Das ist sicher nicht in Ordnung.

SchülerStandard: Der Altersdurchschnitt auf Facebook steigt. Sollten diese Netzwerke nur Jugendlichen vorbehalten sein?

Schäfer-Elmayer: Ich fürchte, das wird sich gar nicht machen lassen. Da kann man in der Theorie dafür oder dagegen sein, aber es nützt eh nichts mehr. Das ist wieder eine Sache, wo Erwachsene sich verstecken können und vortäuschen, sie wären Jugendliche. (Bath-Sahaw Baranow und Claudia Schredl, DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2009)

Zur Person: Thomas Schäfer-Elmayer, 1946 in Zell am See geboren, leitet die Tanzschule Elmayer in Wien.

  • Facebook als eine Sache, bei der sich Erwachsene vortäuschen können, sie wären jung. Schäfer-Elmayer über das Netzwerk, das seinen Geburtstag feiert.
    foto: newald

    Facebook als eine Sache, bei der sich Erwachsene vortäuschen können, sie wären jung. Schäfer-Elmayer über das Netzwerk, das seinen Geburtstag feiert.

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