"Wir sind Kirche" für Beitragsboykott

17. Februar 2009, 18:28
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Pastoraltheologe für Einführung von Katholikentagen

Wien/Linz - Das Kirchenvolk bleibt skeptisch. Auch wenn Österreichs Bischöfe Fehler - etwa bei der Bestellung des Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner (der später selbst seinen Rückzug erklärte) - am Montag in einem Hirtenbrief eingeräumt haben, ruft die Plattform „Wir sind Kirche" weiter für ein „Kirchenbeitragsboykott" auf.

"Wir arbeiten weiter daran", sagt Plattform-Vorsitzender Hans Peter Hurka im Standard-Gespräch, denn: "Ich befürchte, dass sich nicht viel ändern wird. Der Hirtenbrief dient nur zur Beruhigung der Gemüter." Laut Hurka hätten sich bereits „mehrere hundert Gläubige" gemeldet, die ihren Kirchenbeitrag vorerst auf ein „Solidaritätskonto" einzahlen wollen. Das Ziel von Hurka ist klar: „Wir wollen, dass die Kirchenleitung mit uns in Verhandlungen tritt."

Der Pastoraltheologe an der Uni Graz, Rainer Bucher, hofft auf eine „Beruhigung der Lage". Wichtig sei aber auch, dass die Debatte über den Bestellritus von Bischöfen „jetzt nicht abreißt". „Es hat für eine Reform sehr gute Ansätze gegeben. Diese Linie sollte ruhig und geduldig weitergefahren werden", sagt Bucher. Österreichs Kirche leide darunter, dass „sehr stark von den Flügeln her diskutiert" werde. Um das zu ändern, schlägt er, ähnlich wie in Deutschland, die Einführung von Katholikentagen vor: „Dort trifft sich das Kirchenvolk, Laien wie Bischöfe, und es werden gesellschaftliche aber auch innerkirchliche Probleme von der ganzen Breite der Kirche besprochen."

Die Katholische Aktion wertet den bischöflichen Hirtenbrief als Signal für den Beginn eines offenen, ernsthaften Dialogs. (pm, DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2009)

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