Österreich riskanter als Italien

17. Februar 2009, 23:08
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Die Republik wird für das Osteuropa-Engagement der Banken immer heftiger von den Finanzmärkten bestraft

Die Ausfallsgefahr österreichischer Staatsanleihen wird höher eingestuft als jene italienischer Papiere.

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Wien - Österreich wird immer stärker in den Osteuropa-Strudel gezogen. Nach den Warnungen des Internationalen Währungsfonds hat nun auch die Ratingagentur Moody's auf das hohe Risiko hingewiesen, das die Osteuropa-Aktivitäten der Banken für die Republik birgt. Der Bund bekommt das in Form steigender Aufschläge für Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Papieren zu spüren. Sie sind auf den Höchststand von 1,34 Prozentpunkten explodiert.

Anders formuliert: Der Schuldendienst ist für die Republik Deutschland um diesen Wert „billiger" als für Österreich. Zwar verzeichnen so gut wie alle Euroländer höhere Aufschläge (Spreads) zu Deutschland, das von Investoren als sicherer Hafen betrachtet wird; allerdings hat das Ost-Exposure die Position Österreichs im Vergleich zu anderen Ländern verschlechtert, was sich auch an den Kosten für die Versicherung gegen den Ausfall von Anleihen ablesen lässt. Diese sogenannten CDS (Credit Default Swaps) sind für Österreich vergangene Woche explodiert. Und: Österreichs Kollapsgefahr wird von den Finanzmärkten erstmals höher eingestuft als jene Italiens, das eine fast doppelt so hohe Verschuldung aufweist.

Im Detail: Wer sich gegen den Ausfall einer österreichischen Staatsanleihe im Wert von 1000 Euro absichern will, zahlt dafür 18,6 Euro - mehr als das Doppelte gegenüber November 2008. Bei einem italienischen Papier sind es 18,2 Euro, in Spanien 15,7 und in Griechenland 27 Euro (letzteren beiden Staaten hat Moody's bereits die Bonitätsnote AAA aberkannt).

Triple A bedroht

"Die Nervosität wegen Osteuropa ist sehr ausgeprägt", ist Michael Rottmann, Anleihenexperte von UniCredit in München, überzeugt. Das sieht auch Gerhard Beulig von der Sparinvest so: „Osteuropa zieht die Banken hinunter. Jetzt scheint auch klar, dass Österreich mit keiner internationalen Hilfe rechnen kann", meint der Experte. Neben weiteren Herabstufungen der Banken wegen des Ostrisikos hält er auch die Note AAA_für Österreich für nicht mehr voll abgesichert. „Es gibt die Befürchtung, dass daran gerüttelt wird, auch wenn das nicht unmittelbar bevorstehen dürfte", erklärt Beulig.

Eine schlechtere Bonität bedeutet automatisch eine weitere Erhöhung des Schuldendienstes. Irland etwa zahlt für Staatsanleihen bereits rund 5,5 Prozent Zinsen - und es steht ein Downgrade ins Haus.

Die Gefahr eines Bankenkollapses wegen Osteuropa ist übrigens schwer zu bewerten. Die Analysten der belgischen Bank KBC haben in ihrer Analyse der Erste Bank (siehe Geschichte rechts) keine Anhaltspunkte für dieses Szenario gefunden. Moody's meint dagegen, die Rezession in Zentral- und Osteuropa werde schwerwiegendere Auswirkungen haben als anderswo. Die westlichen Banken seien daher infolge des Abwertungsdrucks ihrer Osttöchter besonders von Abstufungen bedroht. Diese Entwicklung „übt einen negativen Ratingdruck auf die Tochtergesellschaften aus und könnte schlussendlich auch zu einer schwächeren Ratingeinstufung der Konzernmutter führen", heißt es in der Einschätzung.

Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl hat in dem Konnex den deutschen Finanzminister Peer Steinbrück kritisiert, der Österreichs Osteuropa-Initiative die kalte Schulter zeigt. Steinbrück sei „auf dem europäischen und deutschen Auge blind", übersehe, dass Deutschland in den Ostländern „überproportional" engagiert sei. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.2.2009)

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