Am Thema USA scheiden sich die Geister

17. Februar 2009, 18:02
23 Postings

Barack Obamas Politikwende steht Teherans Beharren auf seinem Atomprogramm entgegen

Bisher melden sich im Iran nur die Gegner einer Öffnung zur USA offiziell zu Wort. Hinter den Kulissen laufen jedoch Spekulationen, dass indirekte Gespräche in Reichweite rücken. Der Irak will vermitteln.

***

Der angekündigte Politikwechsel von US-Präsident Barack Obama wird im Iran heftig diskutiert: Soll man die Gunst der Stunde nutzen und den Weg zur Normalisierung mit den USA ebnen? Oder verliert man ein Stück revolutionärer Identität, wenn man zum "großen Satan" USA Ja sagt?

Die Diskussionen finden meist abseits der Öffentlichkeit statt, nur zwei konservative Zeitungen nahmen bisher Stellung, wie zu erwarten negativ: Keyhan und Jomhouri Islami sehen keinen Grund, den USA entgegenzukommen. "Warum sollen wir unsere Faust öffnen und den Amerikanern die Hand drücken? Unsere Stärke liegt in unserer geballten Faust", heißt es in Keyhan in Anspielung auf ein von Obama gebrauchtes Sprachbild. Jomhouri Islami erinnert daran, dass die USA während des Iran-Irak-Kriegs (1980-1988) Saddam Hussein unterstützten. Auch die früheren "Vernichtungs"-Drohungen der jetzigen Außenministerin Hillary Clinton gegen den Iran werden wieder aufgewärmt.

Das lange Schweigen der religiösen Führer über den neuen US-Präsidenten verstärkt jedoch die Vermutungen, dass Iran indirekt mit den USA ins Gespräch kommen will. Die Reise des früheren iranischen Außenministers Ali Akbar Velayati in den Irak deutet in diese Richtung, weil Velayati außenpolitischer Chefberater der religiösen Führung ist. Der irakische Präsident Jalal Talabani soll angeboten haben, zwischen Teheran und Washington zu vermitteln.

Thema für den Wahlkampf

Die Spekulationen über eine Öffnung fließen auch in den beginnenden Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl im Juni ein. Man rätselt darüber, welcher der Kandidaten am besten mit den USA ins Gespräch kommen könnte.

"Mit der Präsidentenwahl im Juni kann der Iran der Welt beweisen, dass alle Vorurteile unbegründet sind", meint die Zeitung Etemad Melli, die Exparlamentspräsident Mehdi Karrubi nahesteht, der neben Expräsident Mohammad Khatami für das liberale Lager antritt. Aber auch auf Regierungsebene versucht man vorsichtig von früheren radikalen Positionen Abstand zu nehmen. Es wird sogar darüber diskutiert, ob das in jüngster Zeit immer strengere Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Jugendliche und Frauen vertretbar ist. Eine Regierungskommission tagt, um neue Richtlinien für Sicherheitsorgane auszuarbeiten. (Amir Loghmany aus Teheran, DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Mädchen führt bei der Parade zum 30. Jahrestag der Islamischen Revolution im Iran eine US-Puppe mit.

Share if you care.