"Die Hexe Lilli, der Drache und das magische Buch": Gute Hexen sehen die Welt in satten Farben

17. Februar 2009, 18:02
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Mit "Die Hexe Lilli, der Drache und das magische Buch" hat Regisseur Stefan Ruzowitzky erstmals einen flotten Kinderfilm gedreht

Ein zehnjähriges Mädchen muss sich gegen einen Finsterling als Neo-Hexe bewähren.

Wien – Hexen ist kein Kinderspiel. In der Regel braucht es dazu eine alte schrumpelige Frau mit Warze und schiefem Buckel, die mit allerlei seltsamen Zutaten Zaubertränke mischt und dazu den richtigen Spruch aufsagt. Etwas anders verhält es sich in "Die Hexe Lilli, der Drache und das magische Buch": Da entscheidet nämlich das Zauberbuch selbst – eine avancierte Form des Amazon Kindle, in dem sich die Zeilen mitbewegen -, wer es in Zukunft benutzen darf, um zur Oberhexe zu reifen. Und weil eben diese Person das Mädchen Lilli ist, das gleich einmal eine Horde Affen ins Zimmer holt, gleicht Hexen doch ein wenig einem Kinderspiel.

Veränderungen wie diese schaffen nicht nur eine zugkräftige Identifikationsfigur. Die Idee, über Generationen vertraute Archetypen mit einem zeitgenössischen Umfeld zu kombinieren, ist wahrscheinlich überhaupt das Erfolgsrezept von "Hexe Lilli". So war es im Falle der vom deutschen Sozialpädagogen Knister erfundenen Figur nur eine Frage der Zeit, dass sich das Franchise – zu dem Computerspiele, Theaterstücke oder Fremdsprachversionen gehören – auch hin zum Kino erweitern würde.

Kalkulierte Zutaten

Unter der Patronanz von Disney überließ man in der europäischen Koproduktion nichts dem Zufall und mischte lauter erfolgversprechende Zutaten zusammen: Regie führte mit Stefan Ruzowitzky ein frischgebackener Oscargewinner, der Massen begeisternde Kabarettist Michael Mittermeier synchronisiert den dickbäuchigen Drachen – eine animierte Figur im sonstigen Realfilm -, ein internationaler Cast, darunter die spanische Diva Pilar Bardem (Mutter von Javier Bardem) als Lillis Vorgängerin Surulunda, sichert die Anbindung an mehrere Verwertungsmärkte.

Das Resultat ist weniger heterogen, als man bei dieser kalkulierten Mischkulanz vermuten würde. Das liegt einerseits an einem geradlinigen Drehbuch, dessen Genreform Ruzowitzky in Interviews treffend als "Bond für Volksschüler" bezeichnet hat und das über entsprechend flotte Aktionseinlagen, etwa in Wackelhäusern, verfügt. Lilli (Alina Freund) erwächst ein Konkurrent im Bösewicht Hieronymus (Ingo Naujoks), den es in der Vorlage noch nicht gab. Er will ihr das Hexenbuch für seine eigenen sinistren Pläne abspenstig machen und eine Weltbeherrschungsmaschine bauen, die die Menschen seinem Willen unterordnet.

Ruzowitzky und seine Artdesigner setzen diese unterschiedlichen Zugriffe auf die Welt auf sympathisch altmodische Weise um, im Geiste von Kinderfilmen aus einer anderen Zeit, die Raum für Fantasie lassen. Hieronymus, der wie ein dümmlicher Nachfolger von Mabuse mittels Massenhypnose vorgeht, verwandelt die Stadt und ihre Bewohner in uniformes Grau, während es an den Kindern liegt, die Farbvielfalt zu erhalten. Denn Farben stehen für all die vergnüglichen Dinge des Lebens, die sich schon selbst genug sind und für die im Dasein Zombie-ähnlicher Arbeitsdronen kein Platz mehr ist.

Natürlich muss über eine solche Rettungsmission auch ein Mädchen beweisen, dass es über genügend moralische Größe besitzt, im richtigen Moment altruistisch zu entscheiden. Erfolgreiches Hexen ist hier vor allem eine Sache des Herzens. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe, 18.02.2008)

Ab Freitag im Kino

  • Hoppla, falscher Zauberspruch! - Lilli (Alina Freund) vertieft sich erstmals in das mächtige Hexenbuch.
    foto: buena vista

    Hoppla, falscher Zauberspruch! - Lilli (Alina Freund) vertieft sich erstmals in das mächtige Hexenbuch.

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