Deripaskas Abverkauf erfasst Strabag

17. Februar 2009, 17:59
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Hans Peter Haselsteiner und Raiffeisen nehmen dem Russen die Anteile wieder ab

Wien - "Egal ob mit oder ohne Oleg Deripaska, für uns bleibt Russland ein Kernmarkt." Das gab Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner im Oktober des Vorjahres zu Protokoll. Jetzt kristallisiert sich heraus, dass es wohl ohne Deripaska sein wird, denn die Finanzkrise bringt den russischen Oligarchen in starke Bedrängnis. Daher dürfte Deripaska seinen Strabag-Anteil (25 Prozent plus eine Aktie) demnächst wieder abgeben - und zwar an die alten Eigentümer, Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien, Uniqa und Familie Haselsteiner.

Hintergrund sind die Finanzprobleme des russischen Oligarchen, der mit seinem Beteiligungsunternehmen Basic Element ins Strudeln geraten ist. Das hat im Herbst bereits dazu geführt, dass Deripaska seinen Anteil am Bauunternehmen refinanzieren musste, der über einen Kredit bei der Deutschen Bank in London finanziert worden war. Eingesprungen (mit rund 460 Mio. Euro) sind österreichische Banken unter Federführung der Raiffeisen Zentralbank. Die Aktien wurden von London nach Wien transferiert und an die Kreditgeber verpfändet, womit Deripaska Kernaktionär blieb.

Zwischen den Syndikatsmitgliedern besteht auch ein Aufgriffsrecht für die Anteile von Deripaska, auf das jetzt offenbar zurückgegriffen wird. Denn Deripaska muss die Kreditrate für seinen Strabag-Anteil am 27. Februar zahlen, nachdem ihm im Vorjahr eine Stundung eingeräumt wurde. Bereits zum Monatsende soll die Rückabwicklung unter Dach und Fach sein, ist aus Finanzkrisen zu hören. Gekauft hat Deripaska seine Anteile um rund 42 Euro je Anteil, der Kurs steht heute bei 11,20 Euro. Laut Marktgerüchten soll die Übernahme des Deripaska-Pakets zu unter 20 Euro stattfinden.
Dafür ist im Gegenzug auch sichergestellt, "dass Deripaska die Anteile nicht auf den Markt wirft und den Kurs drückt", sagen Analysten, die dem Deal auch positive Seiten abgewinnen. Unsicherheiten würden damit reduziert.

Ein Strabag-Sprecher bezeichnete die Vorgänge als „Eigentümersache", die vom Baukonzern nicht kommentiert werden. Raiffeisen verwies auf den bestehenden Syndikatsvertrag und sah "keine Veranlassung, daran etwas zu ändern". Mehr war nicht in Erfahrung zu bringen.

Oligarch in Nöten

In der Strabag gibt man sich trotz der jüngsten Entwicklungen gelassen. Bisher habe es keinen einzigen Auftrag von Deripaska an den Baukonzern gegeben, ist zu hören. Ganz verzichten will man auf die Verbindungen von Deripaska künftig dennoch nicht. Sollte er sich an der Strabag wieder beteiligen wollen, sei er willkommen. Eingestiegen ist Deripaska bei der Strabag im April 2007 und hat damit den geplanten Börsengang in letzter Sekunde platzen lassen. Die Emission erfolgte dann im Oktober 2007 zu 49,90 Euro je Aktie.

Die Finanzkrise hat Deripaskas Vermögen stark dezimiert. Galt er mit geschätzten 40 Mrd. US-Dollar 2008 noch als reichster Russe, so belegt er im aktuellen Oligarchen-Ranking nur noch Platz acht - mit 4,9 Mrd. US-Dollar. Deripaska verhandelt derzeit über eine Umstrukturierung seiner Schulden. Sollte das scheitern, läuft er Gefahr, seinen Hauptvermögenswert, den 56-Prozent-Anteil am weltgrößten Alukonzern Rusal, zu verlieren. Rusal ist nach Gasprom und Rosneft das am stärksten verschuldete Unternehmen Russlands.

Seine Einkaufstour hat Deripaska großteils mit Krediten finanziert, zu deren Absicherung Aktien hinterlegt wurden, die durch die Finanzkrise im Wert sinken. Abgegeben hat Deripaska bereits seine Beteiligung beim austrokanadischen Autozulieferer Magna, auch seine Sojus-Bank hat er verloren.

Die Raiffeisen ist es auch, die Deripaska jetzt in Russland hilft. Eine Raiffeisen-Tochter soll die Umschuldung des Finanzdienstleisters Gaz-Finance vornehmen. Das Unternehmen ist auf die Emission von Wertpapieren des größten russischen Lastwagenherstellers Gaz spezialisiert und gehört Deripaska. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2009)

  • Oleg Deripaska (li.) ist in Finanznöten. Strabag-Chef Hans Peter
Haselsteiner (Mitte) und Raiffeisen-Chef Christian Konrad (re.) helfen.
    foto: cremer

    Oleg Deripaska (li.) ist in Finanznöten. Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner (Mitte) und Raiffeisen-Chef Christian Konrad (re.) helfen.

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