Dramatische Kurseinbrüche der Finanzwerte

17. Februar 2009, 17:30
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Analyst: Osteuropäische Bankenwerte "praktisch ausgelöscht"

Wien - Als "blutigen Tag" bezeichnet der Osteuropa-Fondsmanager von Pioneer Investments Austria, Peter Bodis, das Kursgemetzel bei den osteuropäischen Bankenwerten am Dienstag. Der gesamte Bankensektor der Region stand kräftig unter Druck. Die Anteilsscheine der großen Geldinstitute brachen durchschnittlich im zweistelligen Prozentbereich ein. "Die Financials wurden heute praktisch ausgelöscht", beschreibt Bodis den Handelsverlauf.

Der Auslöser für die kräftigen Kurseinbrüche war ein Bericht der Ratingagentur Moody's, der eine Abstufung der großen in Osteuropa aktiven Banken in Aussicht gestellt hatte. Eines der größten Risiken für die osteuropäischen Bankensysteme seien die lokalen Währungsabwertungen, heißt es in der Studie. Seit September 2008 hat der polnische Zloty um rund 36,8 Prozent und der ungarische Forint um 28,9 Prozent gegenüber dem US-Dollar abgewertet, so Moody's.

Auch der Ausblick für die Volkswirtschaften Osteuropas sei schwach, erklärt der Fondsmanager. Die meisten Länder seien Exportwirtschaften und würden direkt von der Entwicklung der westeuropäischen Volkswirtschaften abhängen. Weiters hätten die meisten Staaten externe Finanzierungsbedürfnisse, deren Quellen langsam versiegen. Ausländische Direktinvestitionen, externe Kredite und Auslandsüberweisungen ("Remittances") seien stark rückläufig, einzig die EU-Finanzierung könne noch zur Geldbeschaffung herangezogen werden.

"Osteuropa war in den letzten Jahren sehr beliebt", so Bodis. "Wir nennen diese Situation 'overowned'. Jeder Fondsmanager hatte osteuropäische Werte in den Portfolios." Nun würden die meisten Anleger aus Osteuropa aussteigen wollen und in andere Regionen investieren. "Dies erhöht den Verkaufsdruck zusätzlich", erklärt Bodis.

Die Mehrzahl der osteuropäischen Bankenwerte musste am Dienstag kräftige Abschläge hinnehmen. OTP brachen an der Budapester Börse um 12,60 Prozent ein, Erste Group und Komercni Banka rutschten in Prag um 14,6 bzw. 13,1 Prozent ein. Auch in Warschau schlossen die Bankenwerte am unteren Ende des Leitindex. Bank Pekao brachen um 18,6 Prozent ein, Bre Bank rutschten um 13,2 Prozent ab und PKO verbilligten sich um 11,5 Prozent. (APA)

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