Maxim Tschudow macht sich Luft

17. Februar 2009, 16:50
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Trotz Dopingfällen: "Wir müssen menschlich bleiben" - Russe erschien bei Siegerehrung und schüttelte Björndalen die Hand

Pyeongchang/Südkorea - Die Biathlon-Welt hat sich auf Russland eingeschossen. Erst war der Umgang mit den drei positiven Dopingfällen von Jekaterina Jurjewa, Albina Achatowa und Dmitri Jaroschenko kritisiert worden, danach machten Drohungen gegen schwedische Teammitglieder die Runde. Als Höhepunkt wurde den Russen ihr Einspruch gegen WM-Gold von Superstar Ole Einar Björndalen in der Verfolgung angekreidet. Maxim Tschudow hatte in Pyeongchang hinter dem Norweger Platz zwei belegt.

Tschudow setzte am Dienstag in einer Pressekonferenz zu einer Verteidigungsrede an - wenngleich die Übersetzung ins Englische nicht ganz akkurat gewesen sein dürfte. "Es ist sehr hart, wenn man so behandelt wird, wie wir behandelt werden", betonte der 26-Jährige. Das russische Team werde nicht mehr gegrüßt, kollektiv verdächtigt. "Das ist nicht angenehm und schlägt sich auch auf die Leistung nieder", erklärte Tschudow. "In den vergangenen 48 Stunden habe ich vielleicht vier oder fünf geschlafen."

"Sehr, sehr unschön"

Der Russe appellierte an die Medien, auch nach den Dopingfällen fair mit seiner Mannschaft umzugehen. "Das, was in unserer Mannschaft passiert ist, ist sehr, sehr unschön. Aber wir müssen trotzdem menschlich bleiben. Seid fair zu uns, sprecht mit den Athleten, den Trainern, den Managern", sagte Tschudow, der sich gegen kollektive Schuld entschieden zur Wehr setzte. "Vielleicht sollte das russische Team von der WM abreisen - aber wir haben uns erfolgreiche Bewerbe zum Ziel gesetzt."

Zuletzt hatten Morddrohungen aus Russland gegen das schwedische Team für Schlagzeilen gesorgt. Dessen deutscher Cheftrainer Wolfgang Pichler erwog in der Mannschaftsführersitzung einen Boykott des abschließenden Weltcups in Chanty-Mansijsk, weil er um die Sicherheit seiner Athleten fürchtet. "Der schwedische Trainer ist ein erwachsener Mann. Er muss wissen, was er tut. Wenn jemand Angst hat, kann er sicherlich einen Leibwächter haben", kommentierte Tschudow. "Aber eigentlich sollten wir da drüberstehen."

Siegerehrung nicht boykottiert

Tschudow hatte die nachträgliche Siegerehrung am Dienstag nicht wie angedroht boykottiert, sondern Björndalen danach demonstrativ die Hand geschüttelt. "Es ist schön, hier neben Ole auf dem Podium zu sitzen. Er ist einer der besten Athleten der Welt. Man kann viel von ihm lernen", erklärte Tschudow in der Pressekonferenz. "Ole war in der Verfolgung schneller als ich, das steht außer Frage. Fest steht aber auch, dass Regeln gebrochen worden sind."

Björndalen war am Sonntag nach einem Jury-Entscheid ursprünglich wie elf weitere Athleten mit einer Strafminute belegt worden, weil er die Strecke verlassen hatte. Tschudow wäre damit Weltmeister gewesen. Weil der Norweger allerdings keinen Zeitvorteil daraus gezogen hatte und die Markierung zudem mangelhaft gewesen war, nahm eine Berufungsinstanz die Strafe zurück. "Ich kann die Entscheidung nicht beurteilen. Das kann nur die Jury tun. Ich will nicht in diesen Prozess eingreifen", betonte Tschudow.(APA)

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