Verteidiger fordert Freispruch

17. Februar 2009, 16:11
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Aus Mangel an Beweisen - Staatsanwaltschaft sieht Beihilfe zum Mord als erwiesen

Moskau - Im Prozess um den Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja hat die Verteidigung in Moskau aus Mangel an Beweisen Freispruch für alle Angeklagten beantragt. "Es gibt keinen einzigen Beleg dafür, dass die Angeklagten etwas mit dem Mord zu tun haben. Also sind sie unschuldig", sagte Verteidiger Murad Mussajew nach Angaben der Agentur Interfax am Dienstag vor dem Militärgericht. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen die Beihilfe zum Mord als erwiesen angesehen und eine Verurteilung der Beschuldigten gefordert. Politkowskaja sei im Oktober 2006 von einer professionellen Bande getötet worden, die keine Spuren hinterlassen habe, sagte Mussajew.

Wegen Beihilfe zum Mord müssen sich vor dem Gericht seit Oktober 2008 drei Angeklagte verantworten. Außerdem ist ein früherer Geheimdienstmitarbeiter wegen Amtsmissbrauchs angeklagt, weil er die Wohnadresse Politkowskajas weitergegeben haben soll. Täter und Auftraggeber in dem international beachteten Mordfall vom Oktober 2006 sind weiter auf freiem Fuß. An diesem Mittwoch erhalten Anklage und Verteidigung die Möglichkeit, auf die Plädoyers zu reagieren. Zudem können die Beschuldigten ein Schlusswort sprechen.

Anschließend entscheiden die Geschworenen, ob die Angeklagten schuldig oder unschuldig sind. Ein Richter legt das Strafmaß fest. Politkowskaja war am 7. Oktober 2006 vor ihrer Moskauer Wohnung erschossen worden. Die Journalistin genoss wegen ihrer Berichterstattung aus dem früheren Kriegsgebiet Tschetschenien auch international Anerkennung. Die Identität des Auftraggebers liegt weiter im Dunkeln. Es soll neben der Verbindung nach Tschetschenien auch Spuren in den russischen Sicherheitsapparat geben. (APA/dpa)

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