Lage spitzt sich nach Generalstreik zu

17. Februar 2009, 15:01
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Seit vier Wochen Streiks für höhere Löhne - Festnahmen nach Unruhen - Sarkozy schaltet sich ein

Port-de-France/Paris - Ein wochenlanger Generalstreik auf der französischen Karibik-Insel Guadeloupe droht sich zu einem Aufruhr zuzuspitzen. In der Nacht auf Dienstag kam es zu schweren Zusammenstößen. Demonstranten errichteten Barrikaden, steckten sie in Brand und bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen. Nach Behördenangaben wurden 50 Personen festgenommen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Mehrere Streikende seien verletzt worden, darunter Gewerkschaftsführer Alex Lollia, teilte die linksgerichtete Partei NPA mit.

Alle Vermittlungsbemühungen der französischen Regierung zwischen der überwiegend schwarzen Bevölkerung und den überdurchschnittlich vielen weißen Arbeitgebern sind bisher gescheitert. Um die Krise zu entschärfen, berief Staatspräsident Nicolas Sarkozy Vertreter des Übersee-Departements für Donnerstag in den Elysee-Palast. "Wir stehen am Rande des Aufruhrs", sagte der Präsident des Regionalrates von Guadeloupe, Victorin Lurel, am Dienstag dem Sender France Info. "Wir haben eine politische und institutionelle Krise, es droht eine Radikalisierung des Konflikts."

Seit vier Wochen wird gestreikt

Der Generalstreik lähmt die Insel schon seit knapp vier Wochen. Geschäfte, Schulen und Tankstellen bleiben geschlossen und der Verkehr am Flughafen Point-a-Pitre wurde inzwischen eingestellt. Die Demonstrationen richten sich gegen die hohen Lebenshaltungskosten und zunehmend auch gegen die Machtverteilung. Unter den Arbeitgebern sind viele Nachkommen früherer Sklavenhändler oder Einwanderer aus Festland-Frankreich. Die Preise für Lebensmittel oder Benzin sind teils wesentlich höher als in Frankreich, wofür die Gewerkschaften die Geschäftsleute und Unternehmen verantwortlich machen.

Forderung nach höheren Löhnen

Die Forderung der Demonstranten nach deutlich höheren Löhnen wurde bisher abgelehnt. Paris verweigert auch eine finanzielle Unterstützung. Yves Jego, Staatssekretär für die Überseegebiete, setzt weiter auf Verhandlungen unter den Sozialpartnern. Wegen seines bisher fehlgeschlagenen Krisenmanagements wurde er von Sarkozy bereits gerügt.

Der Staatschef fürchtet einen Flächenbrand: Mittlerweile hat sich die Protestbewegung auf die Schwesterinsel Martinique ausgeweitet, wo am Montagabend 10.000 Menschen gegen steigende Preise demonstrierten. Wegen der angespannten Lage haben 10.000 Touristen ihre Urlaubsbuchungen auf beiden Inseln storniert. Mehrere Hotels auf Guadeloupe teilten mit, sie könnten wegen des Ausstands keine Gäste mehr aufnehmen. (APA/AP)

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