Ölpreis von 200 Dollar in drei bis fünf Jahren möglich

17. Februar 2009, 14:32
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Die Ära des billigen Öls dürfte zu Ende gehen, weil es bald keine günstig und einfach abzubauenden Reserven mehr geben wird

Wien - Die Ära des billigen Öls dürfte zu Ende gehen, weil es bald keine günstig und einfach abzubauenden Reserven mehr geben wird, meint Ronald Stöferle, Öl-Analyst der Erste Group. Außerhalb des OPEC-Kartells sei das Fördermaximum bereits überschritten, aber auch sechs OPEC-Staaten seien "wahrscheinlich" schon darüber. Ein weiteres Signal für künftig steigende Ölpreise sei die starke Abhängigkeit von großen Ölfeldern. Auf die Sicht von drei bis fünf Jahren hält Stöferle Ölpreise um die 200 Dollar je Barrel für durchaus möglich - wirkliche Alternativen zum schwarzen Gold gebe es aber nicht.

Am Montag kostete ein Fass OPEC-Öl 41,49 Dollar. Auf diesem Preisniveau seien neue Funde nicht mehr rentabel erschließbar, so Stöferle am Dienstag vor Journalisten. Je länger der Ölpreis unter 40 Dollar liegt, desto schneller werde sich das zukünftige Angebot verknappen, weil Investitions- und Explorationsprogramme aufgeschoben oder gestrichen werden. Derzeit belaufen sich die Investitionen nicht einmal auf 20 Prozent des empfohlenen Volumens, um die Produktion von aktuell 86 Mio. Barrel auf 125 Mio. Barrel bis 2030 anzukurbeln.

Wenig Geld für Exploration

Private Öl-Konzerne hätten in der Vergangenheit zu wenig Geld für Exploration und Förderung in die Hand genommen. Vielmehr hätten sie ihre Gewinne in Aktienrückkäufe oder Dividenden gesteckt. 2007 sei der Anteil der Aktienrückkäufe bei den fünf größten Privatkonzernen bei 34 Prozent ihrer Gesamtkosten gelegen, im Jahr 1994 sei es erst 1 Prozent gewesen. Im Gegenzug seien die Ausgaben für die Exploration in diesem Zeitraum von 14 auf 6 Prozent gesunken. Infolgedessen werde der Einfluss der staatlichen Ölfirmen immer größer. Derzeit verfügen die nationalen Ölkonzerne schon über 83 Prozent der weltweiten Ölreserven. Allerdings arbeiten die Firmen in staatlicher Hand ineffizienter als private, gab Stöferle zu bedenken.

Für 2009 und 2010 rechnet die Erste Bank mit einem Rückgang der Öl-Nachfrage um rund 1 Prozent. Das Angebot außerhalb der OPEC sollte aufgrund rückläufiger Produktion in Russland, Mexiko und der Nordsee um knapp 0,6 Prozent zurückgehen. "Wirklich große Ölfelder werden nicht mehr gefunden", sagte Stöferle. Es komme zu einer extremen Konzentration der vorhandenen Reserven.

Der weitere Ölpreisverlauf werde stark von der OPEC abhängen. Solange der Ölpreis unter 75 Dollar liegt, werde das Kartell weitere Fördersenkungsquoten anordnen, um den Preisverfall zu stoppen. Heuer und nächstes Jahr wird die OPEC die Fördermengen nach Meinung der Analysten zumindest um weitere 2 bis 2 Mio. Barrel pro Tag senken. Bei der nächsten Sitzung im März rechnen die Experten mit einer Kürzung von mindestens 1 Mio. Barrel am Tag.

Anzug bei konjunktureller Erholung

Für heuer rechnet Stöferle mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 55 Dollar je Barrel. Sobald eine nachhaltige konjunkturelle Erholung einsetzt, werde die 70-Dollar-Grenze überschritten werden. Beim aktuellen Preisniveau bestehe ein äußerst attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.

Langfristig werde der Ölpreis aber von monopolistischen Grundsätzen einiger weniger großer Fördernationen abhängen. Weil die Förderung immer teurer werde, die notwendigen Investitionen nur zu einem Bruchteil getätigt würden und zahlreiche Ölfelder aber auch Förderländer ihre Peak-Produktion bereits überschritten hätten, sei von einem langfristigen Preisanstieg auszugehen. Für höhere Ölpreise spreche auch der starke Zusammenhang mit dem Geldmengenwachstum. Seit 1990 sei der Ölpreis um 340 Prozent gestiegen, die Geldmenge M3 um 337 Prozent. Wenn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wieder zunimmt, könnte es in einem stark inflationären Umfeld zu einer Flucht in Sachwerte kommen, so Stöferle. In einem solchen Szenario würden Gold und Öl am meisten profitieren.

Eine echte Alternative zum schwarzen Gold sieht Stöferle nicht. "Mittelfristig ist der vollständige Ersatz von fossilen Energieträgern durch Alternativenergien - trotz der aktuellen Investitionsvolumina und politischen Willensbekundungen - illusorisch", meinte der Analyst. Nicht-konventionelles Öl wie Ölsand oder Ölschiefer seien ebenfalls keine wirkliche Option, da die Produktion aus diesen Materialen mit extremer Umweltbelastung und mit hohen Kosten verbunden sei. (APA)

 

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