Verkehrsregeln bei Schnee

17. Februar 2009, 13:47
posten

Der Schneefall der vergangenen Tage stellt die Kraftfahrer vor einige winterliche Herausforderungen. Neben Fahrbahnen und Autos verschwinden auch Verkehrsschilder und Bodenmarkierungen unter der weißen Pracht. Dort, wo vor kurzem noch ein Tempolimit oder ein Abbiegeverbot verordnet war, sieht man jetzt nur noch Weiß. "Was gilt im Schneechaos? Was ist erlaubt?", fragt sich also so mancher Verkehrsteilnehmer. "Verkehrszeichen und Bodenmarkierungen, die man nicht sieht, können auch nicht beachtet werden. Die allgemeinen Regeln des Straßenverkehrs gelten allerdings auch bei Schneelage", betont ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer. Er beantwortet die typischen Fragen, die Kraftfahrer an die Juristen des ÖAMTC richten.

- Wie soll ich wissen, ob eine Bodenmarkierung unter der Schneeschicht ist?

Bodenmarkierungen, die man nicht sieht, können auch nicht beachtet werden. Bei schneebedeckter Fahrbahn gelten also die allgemeinen Fahrregeln. Das bedeutet vor allem Rechtsverkehr und dass die Mitte der Fahrbahn - mangels anders lautender Markierungen - immer in der geometrischen Mitte der Fahrbahn liegt. "Im Kreuzungsbereich darf auf jedem Fahrstreifen geradeaus gefahren werden. Nur vom jeweils äußeren Fahrstreifen ist es erlaubt, nach rechts oder links abzubiegen", erläutert der ÖAMTC-Jurist. Umstellen müssen sich in diesem Fall ortskundige Personen. Dass sich unter der Schneeschicht eine zweite Abbiegespur verbirgt, wissen eventuell nur sie. Deshalb gilt auch für "Kundige" die Regelung: Abbiegen nur aus einer Außenspur.

"Befindet sich eine Stopptafel vor der Kreuzung, muss man jedenfalls stehenbleiben, wie vor jeder Stopptafel", sagt Hoffer. Haltelinien an Kreuzungen sind derzeit oft nicht sichtbar. Hier empfiehlt der ÖAMTC-Experte, sich langsam in die Kreuzung vorzutasten, bis man ausreichende Sicht hat. Erst dann, wenn es gefahrlos möglich ist, sollte man die Fahrt fortzusetzen. Wenn die Markierung eines Schutzweges vor lauter Schnee nicht mehr zu erkennen ist, muss der Fußgängerübergang aufgrund des Verkehrszeichens "Kennzeichnung eines Schutzweges" oder wegen des blinkenden gelben Lichtes beachtet werden. "Fußgänger tun bei Schneefall in jedem Fall gut daran, einen Schutzweg nur dann zu betreten, wenn das herankommende Fahrzeug noch weit genug entfernt ist und auch auf rutschigem Untergrund einen ausreichenden Bremsweg hat", sagt der ÖAMTC-Jurist.

- Darf man ein schneebedecktes Verkehrszeichen einfach ignorieren?

Ist ein rundes Verkehrszeichen komplett mit Schnee bedeckt und nicht mehr erkennbar, verliert es seine Aussagekraft. Dahinter könnten sich verschiedene "Botschaften" verbergen, beispielsweise ein Abbiege- oder Einfahrtsverbot. "Um trotzdem nicht zum Verkehrshindernis zu werden, empfiehlt es sich zum Beispiel, andere Fahrzeuglenker oder parkende Fahrzeuge zu beachten. Eine Einbahn lässt sich so schnell erkennen", rät der ÖAMTC-Jurist.

Aufpassen muss man allerdings bei Verkehrszeichen, die eine andere Form - nämlich Drei- oder Achteck - haben. Dahinter verbirgt sich "Vorrang geben" oder "Halt". "Hier spielt es keine Rolle, ob die Schilder verweht sind. Sie sind trotzdem zu beachten, weil sie aufgrund ihrer Form auch für den Bevorrangten eine wichtige Information enthalten", betont der ÖAMTC-Experte.

- Wo darf man parken?

Kurzparkzonen gelten immer und werden ausschließlich durch Verkehrszeichen angezeigt. Eine blaue Bodenmarkierung muss weder sichtbar noch vorhanden sein. "Allerdings gehe ich davon aus, dass die Überwachung der Kurzparkzonen bei starkem Schneefall kulant gehandhabt wird", sagt der ÖAMTC-Jurist. Ein vorübergehendes Aussetzen von Kurzparkzonen muss allerdings gesondert, zum Beispiel via Rundfunk, bekannt gegeben werden.

Hauseinfahrten sind bei Schneefall freizuhalten, auch wenn weder ein 'Einfahrt freihalten'-Schild vor der Tür hängt noch eine Gehsteig-Abschrägung zu erkennen ist.

Das Reservieren von freigeschaufelten Parkplätzen auf der Straße durch Kisten und Schilder ist nicht erlaubt - auch wenn das viele geplagte Autofahrer gerne hätten. "Parkplätze sind in der Regel öffentlicher Raum und dürfen von jedermann genutzt werden", sagt der ÖAMTC-Jurist.

Share if you care.