Westösterreich impft zu wenig

17. Februar 2009, 13:03
277 Postings

Tirol bei Erkrankungszahlen an der Spitze - Zwei Todesfälle im Jahr 2008 - Beginn der FSME Impfaktion

Wien  - Nur wer geimpft ist, ist gegen die von den Zecken übertragene Frühsommer-Meningo-Enzephalitis geschützt. In den vergangenen Jahren hat sich die heimtückische Erkrankung in Österreich immer weiter verbreitet. "Tirol war vergangenes Jahr erstmals jenes Bundesland, wo die meisten FSME-Patienten hospitalisiert wurden", berichtete der Wiener Virologe Franz X. Heinz am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Doppelt so viele Erkrankungsfälle

Insgesamt wurde im Vergleich zu 2007 - damals hatte es 46 Erkrankungen gegeben - ein deutlicher Anstieg auf 86 Fälle registriert. Es gab sogar zwei Todesfälle. Der Experte: "Ein 80-jähriger Patient in der Steiermark und ein Todesfall in Oberösterreich. Der Patient ist seit 2007 nach einer FSME im Koma gelegen."

Tirol in den 80er Jahren FSME-freie Zone

Die FSME "füllt" demnach bisher vorhandene "Lücken" in den inneralpinen Regionen auf. Heinz: "Vor 1984 gab es zum Beispiel keinen einzigen Fall in Tirol. Ab 2004 hat es die ersten Fälle in Vorarlberg gegeben. Wir haben auch im Salzach- und im Gasteinertal Erkrankungen." Das waren ehemals FSME-freie Zonen.

Gefahr in Westösterreich gering geschätzt

87 Prozent der Österreicher sind schon zumindest einmal gegen die FSME geimpft worden. Wirklich korrekt im Impfschutz sind allerdings nur 66 Prozent. Das hat eine repräsentative GfK-Umfrage unter 4.000 Menschen ergeben. Astrid Essl von dem Marktforschungsinstitut GfK wies auf Bewusstseinsmängel vor allem in Westösterreich hin: "Nur 21 Prozent der Tiroler und 15 Prozent der Vorarlberger fühlen sich subjektiv hoch gefährdet durch die FSME." Ein Drittel der Vorarlberger fühlt sich "gering" gefährdet, ebenso 25 Prozent der Tiroler.

Nur mit 3 Teilimpfungen im vollen Schutz

Derzeit läuft wieder die FSME-Impfaktion an. Die Immunisierung besteht aus drei Teilimpfungen. Die ersten beiden in einem Abstand von ein bis drei Monaten, die dritte fünf bis zwölf Monate nach der zweiten. Die erste Auffrischung ist drei Jahre nach der Grundimmunisierung notwendig. Dann sollte bis zum 60. Lebensjahr alle fünf Jahre eine Auffrischung erfolgen, danach wieder alle drei Jahre. Die Vakzine kostet in den Apotheken für Kinder 22,60 Euro, für Erwachsene 26,60 Euro. Die Krankenkassen leisten Zuschüsse.

Mit der Impfung erspart man sich jedenfalls sicher eine potenziell lebensgefährliche Erkrankung nach einem Zeckenstich. Der Innsbrucker Neurologe und Intensivmediziner Erich Schmutzhard: "75 Prozent der Erkrankten haben eine Hirnhautentzündung (Meningitis). 20 Prozent eine Hirnentzündung (Enzephalitis). Die Mortalität beträgt ein bis 1,5 Prozent." Ein Großteil der Patienten erholt sich davon vollständig. Zwischen 10 und 30 Prozent der Betroffenen kämpfen mit Langzeitfolgen, wie Lähmungserscheinungen, verringerter Leistungsfähigkeit oder depressiven Verstimmungen.   (APA/red)

Share if you care.