Forstwirtschaft bleibt auf Baumstämmen sitzen

17. Februar 2009, 18:41
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Holzpreis am Boden, Bundesforste verringern Einschlag

Wien - Österreichs Forstbetriebe, die erst mühsam eine Serie von Windwürfen zu verdauen hatten, sind erneut in der Defensive. Die Holzpreise sind auf ein langjähriges Tief gefallen, gleichzeitig ist die Nachfrage nach Rundholz infolge der Wirtschaftskrise stark eingebrochen. Die Bundesforste, die in Österreich mit Abstand den meisten Wald bewirtschaften, berichteten am Dienstag von einem 30-prozentigen Nachfragerückgang.

Im selben Ausmaß werde man heuer den Holzeinschlag verringern, sagten die beiden Vorstände der Bundesforste, Georg Erlacher und Georg Schöppl. Statt 2,5 Mio. Festmeter wie 2008 sollen heuer nur 1,7 Mio. Festmeter geschlägert werden. Dass sich diese 800.000 Festmeter weniger in etwa mit dem Rückgang der Nachfrage deckt, sei purer Zufall. "Auch wenn der Holzpreis je Festmeter bei 90 Euro läge, würden wir heuer nicht mehr Holz produzieren", sagte Schöppl. "Wir versuchen, nach den Windwurfjahren 2007 und 2008 wieder zu einer nachhaltigen Holzerntemenge zu kommen."

Tatsächlich liegen die Holzpreise deutlich tiefer. Leitsegmente wie Fichten und Tannen kosten zwischen 70 bis 75 Euro je Festmeter. Binnen eines Jahres haben die Preise um mehr als ein Fünftel nachgegeben.

Zusätzlich zum geplanten Einschlag von 1,7 Mio. Festmeter haben die Bundesforste noch 300.000 Festmeter auf Lager, die zum Teil aus aufgearbeitetem Holz aus den letzten Windwürfen im Jänner und März 2008 stammen und zum Teil Industrieholz sind. Trotz der wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen rechnen die Bundesforste heuer laut Schöppl mit einem "vernünftigen Ergebnis". 2008 lag die Betriebsleistung der Bundesforste vorläufigen Zahlen zufolge bei 270 Mio. Euro - nach knapp 279 Mio. Euro im Jahr davor.

Boom bei Fertighäusern

Über günstigere Rohstoffe und starke Nachfrage freut sich unterdessen die Fertighausbranche. "Anfang Oktober 2008 haben wir kurzfristig eine gedämpfte Nachfrage gespürt; Ende Oktober sind die Anfragen dann überraschend in die Höhe geschnellt; das hat im November und Dezember angehalten", sagte der Geschäftsführer des Österreichischen Fertighausverbands, Christian Murhammer, dem STANDARD. Ob der Trend sich fortsetze oder knicke, werde sich in den nächsten Wochen erweisen.

In Normaljahren werden in Österreich 5600 Einfamilienhäuser in Fertigteilbauweise errichtet. Der Marktanteil liegt bei 33 bis 35 Prozent. Der Durchschnittspreis für ein Fertighaus ab Kelleroberkante beträgt 150.000 bis 170.000 Euro, wobei zuletzt ein Trend zu einer etwas teureren Ausstattung zu beobachten gewesen sei. Die 25 Mitgliedsfirmen des Verbands beschäftigen rund 3000 Mitarbeiter. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2009)

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