MLP von Krise betroffen

17. Februar 2009, 18:00
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Finanzvertrieb verkauft defizitäre Österreich-Tochter

Wiesloch/Wien - Der deutsche Finanzvertrieb MLP hat im Krisenjahr 2008 einen stärkeren Gewinneinbruch verbucht als von Fachleuten erwartet. Die Dividende wird deshalb halbiert. Die verlustträchtige Österreich-Tochter wird verkauft, soll also jedenfalls von MLP nicht fortgeführt werden. Auch aus der verlustreichen Beteiligung in den Niederlanden erfolgt der Rückzug.

Im Kernbereich Privatkundengeschäft, der Vermittlung von Versicherungen und Altersvorsorge-Produkten vor allem an Akademiker, werde sich MLP künftig auf Deutschland konzentrieren, sagte Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg.
Die Tochter in Österreich erwirtschaftete im Vorjahr 6,3 Mio. Euro Verlust, steuerte nach Konzernangaben aber kaum zwei Prozent zu den Gesamterträgen bei.

Auch für das noch kleinere Geschäft in den Niederlanden werde „eine neue Eigentümerstruktur" gesucht. Die Tochtergesellschaft Feri soll ihr Geschäft hingegen weiter auf Kontinentaleuropa ausweiten. Ausgebaut wird auch der Vorstand. Vom 1. März an soll Ralf Schmid als Chief Operating Officer (COO) die Führungsriege verstärken. Damit schaffe MLP eine organisatorische Voraussetzung, um sich aktiv an der Konsolidierung der Branche zu beteiligen.

Auch AWD wenig erfolgreich

Auch der inzwischen zu Swiss Life gehörende Rivale AWD war im Ausland zuletzt wenig erfolgreich. In Österreich und Osteuropa brach das Geschäft ein, aus Großbritannien hat sich das deutsche Unternehmen zum Teil zurückgezogen. Auch bei MLP war Swiss Life eingestiegen - allerdings gegen den Willen des Vorstands. Der Schweizer Versicherer will in diesem Jahr klären, was aus dem 24-Prozent-Paket werden soll. Die Probleme bei AWD und MLP hatten die Swiss-Life-Aktie zu Wochenbeginn belastet.

Bei MLP ist im Geschäftsjahr 2008 der Überschuss in den fortzuführenden Geschäftsbereichen von 77,5 auf 31,1 Mio. Euro eingebrochen. Analysten hatten mit 39 Millionen gerechnet. Der Nettogewinn (Überschuss) brach um 60 Prozent auf 24,8 Mio. Euro ein. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sackte nach den am Montagabend veröffentlichten Zahlen stärker als erwartet von 113,9 auf 56,6 Mio. Euro ab. Der Umsatz gab von 629,8 Millionen Euro auf 597,7 Millionen Euro nach und verfehlte ebenfalls die Prognosen der Experten. (dpa, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.2.2009)

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