Daimler schreibt Kredite an Chrysler vollständig ab

17. Februar 2009, 17:48
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Mercedes-Benz-Hersteller rechnet nicht mehr mit Geld von ehemaligem US-Partner

Die letzten Nachwehen einer unrühmlich zu Ende gegangen Ehe, die - vom längst abgetretenen DaimlerChrysler-Oberboss Jürgen Schrempp - vor mehr als zehn Jahren als "Hochzeit im Himmel" gefeiert wurde: Der Stuttgarter Autobauer Daimler (Marken: Mercedes-Benz, Smart, Maybach) gab am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz bekannt, dass man die Darlehen an Chrysler vollständig abgeschrieben habe.

Diese Abschreibung führte in der Daimler-Bilanz für 2008 zu einem Minus von schlanken 1,84 Milliarden Euro. Der Unternehmenswert von Chrysler und die gewährten Kredite stünden nun mit einer Null in den eigenen Büchern, so Konzernchef Dieter Zetsche.

Kapitalspritze

Chrysler gehört derzeit noch zu rund 80 Prozent dem Finanzinvestor Cerberus, nachdem Daimler sich 2007 mehrheitlich von dem kränkelnden Pkw-Hersteller getrennt hatte. Die bei Daimler verbliebenen 20 Prozent bescheren den Stuttgartern seitdem anhaltende hohe Verluste. Chrysler wird wie General Motors derzeit nur mit einer Kapitalspritze der US-Regierung am Leben erhalten. Der italienische Fiat-Konzern will bei Chrysler zum Nulltarif einsteigen.

Daimler will die Restbeteiligung so schnell wie möglich loswerden. Die seit Monaten laufenden Gespräche mit Cerberus gingen weiter, sagte Zetsche. Cerberus - der US-Investor ist bekanntlich seit 2006 auch Eigentümer der österreichischen Bank Bawag PSK - verlangt von Daimler einen Zuschuss, den die Stuttgarter wegen der angespannten Finanzlage aber nicht auslegen wollen.

Absatz stabil

Daimler steht aber trotz der transatlantischen Langzeitquerelen besser da als die meisten Konkurrenten: Der Konzerngewinn 2008 beträgt immerhin noch 1,4 Mrd. Euro (allerdings nach vier Mrd. ein Jahr zuvor). Der Absatz blieb 2008 mit 2,1 Millionen Fahrzeugen stabil - trotz der generellen Markteinbrüche in der zweiten Jahreshälfte, als die Finanzkrise voll auf die Realwirtschaft durchschlug. Vor allem die Kernmarke mit dem Stern im Logo - Mercedes-Benz - wurde im letzten Quartal des Vorjahres von der Nachfrageflaute hart getroffen und machte allein zwischen September und Dezember einen operativen Verlust von 358 Millionen Euro (Ebit, das Gesamtjahr brachte noch plus 2,1 Mrd. Euro, was allerdings auch eine Halbierung des Gewinns im Vergleich mit dem Jahr 2007 bedeutet).

Für heuer sieht es düster aus: Der Konzern rechnet mit deutlichen Absatzrückgängen. Die weltweite Pkw-Nachfrage werde sich nach Einschätzungen aus Stuttgart gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent abschwächen.

Zu den jüngsten Marktgerüchten über eine mögliche engere Zusammenarbeit mit dem Hauptkonkurrenten aus München, BMW, äußerten sich die Daimler-Chefs bei der Bilanzpressekonferenz nicht. Beide Aktien verloren jedenfalls am Dienstag an der Frankfurter Börse deutlich an Wert. (szem, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.2.2009)

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