Karriere-Telegramm Götz Spielmann

"Es ist ein anstrengendes Vergnügen"

17. Februar 2009, 14:09
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    foto: apa/hochmuth

    Götz Spielmann.

Regisseur Götz Spielmann im Karriere-Telegramm über den Oscar-Rummel, wie er Erfolg definiert und von wem er sich inspirieren lässt

"Ich fühle mich nicht vereinnahmt", meint Götz Spielmann zur "Wir wären gerne wieder Oscar"-Hysterie in Österreich. Der Regisseur wurde für seinen Film "Revanche" für den Auslands-Oscar nominiert. Die Prämierung geht am 22. Februar in Los Angeles über die Bühne. Im E-Mail-Karriere-Telegramm von derStandard.at gibt Spielmann Einblicke in seine Auffassung von Beruf und Karriere.

derStandard.at: Wie sieht der "typische" Arbeitstag von Götz Spielmann aus?

Spielmann: Den gibt es nicht. Das Finden von Geschichten, das konkrete Schreiben, das Vorbereiten eines Filmes, Dreharbeiten, Verwertung sind ganz unterschiedliche Arbeiten. Diese Arbeitsphasen verlangen ganz unterschiedliche Konzentration und Organisation.

derStandard.at: Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

Spielmann: Kann ich nicht sagen, da bei mir Arbeit und Leben selten getrennt sind. Ein Luxus, übrigens. Wenn ich einen Film drehe, was ja nicht so häufig vorkommt: 95-100 Stunden in der Woche.

derStandard.at: Wie entspannen Sie sich vom beruflichen Stress?

Spielmann: Liebe, Natur, Meditation, Kunst, Gedanken.

derStandard.at: Wer oder was nervt Sie in Ihrem Job am meisten?

Spielmann: Die (notwendigen) Zeiten von Zweifel, Ideenlosigkeit und ergebnisloser Arbeit sind am anstrengendsten. Zwischen den Filmen.

derStandard.at: Wie definieren Sie bei Ihren Filmen Erfolg (Zuseherzahlen, Kritiken, persönliche Zufriedenheit)?

Spielmann: Diese oder jene Reaktion von einzelnen Zuschauern. Wenn ich spüre, dass meine Arbeit eine tiefe Resonanz gefunden hat.

derStandard.at: Was war Ihr bis jetzt größter "Karriereflop"?

Spielmann: Im Begriff "Karriere" hab ich eigentlich nie gedacht. Aber Niederlagen und schwierige Zeiten gab es so manche.

derStandard.at: Haben sie berufliche Vorbilder? Von welchen Regisseuren lassen Sie sich inspirieren?

Spielmann: Vorbilder nein, weil ich meinen eigenen Weg zu gehen versuche. Aber mich bestärken und beeinflussen dabei alle, denen das auf ihre Weise gelungen ist. Für mich die wichtigsten: Fellini, Bergmann, Antonioni, Cassavetes, Tarkowskij, Ozu.

derStandard.at: Mit welchen Schauspielern würden Sie gerne arbeiten?

Spielmann: Wenn Sie damit Stars und berühmte Namen ansprechen: ob ich mir in der Arbeit mit einem Schauspieler Schönes erwarte, weiß ich erst nach einer persönlichen Begegnung.

derStandard.at: Welchen Traumberuf hatten Sie in der "Sandkiste"? Was wollten Sie als Kind werden?

Spielmann: Kann ich mich nicht erinnern. Seitdem ich vierzehn bin, wusste ich, dass ich künstlerisch arbeiten werde. Literatur und Theater waren dafür ursprünglich prägend.

derStandard.at: Freuen Sie sich, dass der Oscar-Rummel dann wieder vorbei ist oder ist das das reinste Vergnügen?

Spielmann: Es ist ein anstrengendes Vergnügen. Ich freue mich auf den Freiraum nachher, in dem wieder Arbeit an Geschichten möglich ist. Das fehlt mir seit einiger Zeit: Konzentration.

derStandard.at: Kann man sich als Regisseur gegen Vereinnahmungen zur Wehr setzen? Letztendlich ist die Nominierung für den Oscar ja eine Anerkennung für Ihr persönliches Schaffen und nicht für Österreich und die heimische Filmindustrie, oder?

Spielmann: Es ist vor allem eine Auszeichnung für den Film, den ich ja nicht alleine gemacht habe. Auch, die ihn ermöglicht und finanziert haben, haben einen Anteil daran. Ich fühle mich nicht vereinnahmt, muss mich deshalb auch nicht zur Wehr setzen.

derStandard.at: Wenn Ihnen ein Wunsch von Seiten der Politik erfüllt werden würde, welcher wäre das?

Spielmann: Den kann mir die Politik nicht erfüllen: dass sie ihre Aufgabe ernster nimmt und gleichzeitig die Bedeutung von Politik stärker relativiert.

derStandard.at: Gibt es Medien, denen Sie nie Interviews geben würden?

Spielmann: Eigentlich nein. Die Frage ist eher: worüber?, warum? Anfragen, die an der "Prominenz" interessiert sind - und nicht an der Sache - gehe ich so gut es geht aus dem Weg. (om, derStandard.at, 17.2.2009)

Zur Person:

Götz Spielmann wurde 1961 in Wels geboren, aufgewachsen ist er in Wien. Sein erster Spielfilm lief bereits 1978 im Fernsehen. Nach der Matura studierte er an der Filmakademie Wien Drehbuch und Regie. Seine Filme "Die Fremde" und "Antares" wurden von Österreich für den Auslandsoscar nominiert. Spielmann nahm sich zwischendurch eine mehrjährige Auszeit vom Film. Er inszenierte am Theater, unterrichtete Schauspiel und gründete seine eigene Produktionsfirma "Spielmannfilm".

Auszug aus seiner Filmografie:

Revanche (2008), Antares (2004), Spiel im Morgengrauen (2001), Die Fremde (1999), Die Angst vor der Idylle (1994), Dieses naive Verlangen (1993), Der Nachbar (1991), Erwin und Julia (1990)

papst benedikt
03
18.2.2009, 16:11

bravo götz!

seit vielen jahren ein ernstzunehmender autor und regisseur, der filme abseits des mainstreams dreht, von den medien mehr als einmal verdammt, belächelt, ignoriert und fehlbewertet. jetzt, wo sich der erfolg ausserhalb des punschkrapfens einstellt, haben es alle wieder einmal immer schon gewusst.
wenn sich jemand fragt, warum revanche nur 17.000 zuseher im kino machte, kann man das leicht erklären: vergleichen sie einfach mal die werbepropaganda unserer medien für den allwöchendlichen us-hit mit der berichterstattung über österreichische filme. da bleiben dann keine fragen mehr offen.

Ronny der Rasenmäher
00
22.2.2009, 16:31
aber die "zielgruppe"

erfährt trotzdem von solchen filmen.

und die anderen sollen sich in einem hypermega-tempel berieseln lassen, wenn es ihnen spaß macht.


eben den aufgenommenen "die fremde" angeschaut: ganz tolles kino, was herr Spielmann bisher schuf!

Sowizo
00
18.2.2009, 14:29

Auch, wenn das Interview an sich sehr interessant ist, würde ich mir doch wünschen, dass ein bisserl auf die Antworten eingegangen wird.
Das Interview liest sich, als wäre es per E-Male gemacht worden...

Sowizo
11
18.2.2009, 14:46

Da ich nicht weiß, ob mein anderes Posting durch die Standard'sche Zensur kommt, hier, bevor ich mit (verdienten) roten Stricherln überhäuft werde, nochmal: Ich weiß inzwischen schon, dass das Interview per E-Mail gemacht wurde. ^^'

Sowizo
01
18.2.2009, 14:31
Ja, ich weiß, ich bin ein Trottel.

Da zieht man über andere her, die nicht lesen können und dann passierts einen selbst, dass man nicht einmal die Unterkategorie liest...

moement
00
18.2.2009, 10:32

spielmann auf die frage, was er sich in l.a. erwartet: "ich glaube es wird das passieren was gut für mich ist"

eraser head
00
17.2.2009, 23:20

"Sein erster Spielfilm lief bereits 1978 im Fernsehen."

Welcher Film war denn das? Meines Wissens nach, hiess sein erster Spielfilm "Vergiss Sneider!" aus dem Jahre 1987.

Herbert Lauritz
01
17.2.2009, 17:00
Filmland Österreich

Immer wieder das gleiche Bild, dass österreichische Künstler erst über die Anerkennung vom Ausland auch in der Heimat populär werden. "Revanche" hat beim ersten Kinostart im Frühling 2008 gerade einmal 17.000 Zuseher gehabt. Seit dem zweiten Kinostart hat sich das bestimmt vervierfacht.

lilian
011
17.2.2009, 16:57
sehr sympathisch, dieser mann!

kann man wirklich nur das beste für die weitere zukunft wünschen.

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