Twittern wird zum Sicherheitsrisiko - "Gerade in Bagdad gelandet"

17. Februar 2009, 10:27
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US-Streitkräfte überprüfen ihre Vorschriften - Mitglied im Geheimdienstausschuss protokollierte Irak-Reise

Der immer populärer werdende Internetdienst Twitter, der das schnelle und einfache Veröffentlichen von Kurznachrichten ermöglicht, beschäftigt jetzt auch die US-Streitkräfte. Ausgerechnet der führende Republikaner im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, Pete Hoekstra, hatte Twitter genutzt, um seine Freunde bei einer Reise durch Afghanistan und den Irak über seinen genauen Aufenthaltsort zu informieren. Das Pentagon prüfte umgehend seine Vorschriften in dieser Richtung, da derartige Informationen normalerweise als sicherheitsrelevant eingestuft werden.

Gehe zur neuen US-Botschaft

Hoekstra glaubt aber, sich nichts vorwerfen zu müssen. Er verweist darauf, dass auch andere Politiker wie die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi, zum Beispiel ihre nächsten Reisen bekanntgeben. Hoekstra ging aber tatsächlich noch einen Schritt weiter und gab viele Details über seine Reise preis. Und jeder konnte sie empfangen. "Gerade in Bagdad gelandet", berichtete er am 5. Februar um 09.41 Uhr. Um 11.56 Uhr hieß es dann: "Mit dem Hubschrauber in die Grüne Zone geflogen. Irakische Flagge über dem Palast. Gehe zur neuen US-Botschaft. Scheint ruhiger, weniger chaotisch als beim letzten Mal." "Man weiß doch nicht, ob das die genaue Zeit ist", verteidigte Hoekstra sich.

Ein Twitter-Account gehört natürlich auch dazu

Der Fall zeigt vor allem, wie sehr sich US-Abgeordnete darum bemühen, die neuen und sozialen Netzwerktechniken zu nutzen, um direkt mit ihren Wählern in Kontakt zu bleiben. Ihre Mitarbeiter berichten, sie seien angewiesen worden, neue Wege für die Verbreitung der Ansichten ihrer Chefs zu finden. Dabei sollten sie sich auch nicht nur auf die traditionellen Medien wie die Zeitungen konzentrieren, wo die Meinungen vielleicht verändert oder gar falsch wiedergegeben würden.

Der Abgeordnete James Inhofe stellte kürzlich einen längeren Vortrag über das Gefangenenlager in Guantanamo auf Kuba und seine Meinung, warum es nicht geschlossen werden sollte, bei YouTube ein. Auch Hoekstra gehört zu denjenigen, die alle Möglichkeiten der neuen Medien nutzen. Von einer eigenen Homepage über Podcasts bis zu einer interaktiven Karte, auf der man seine Reisen in seinem Wahlbezirk verfolgen kann. Ein Twitter-Account gehört natürlich auch dazu.

Er wisse nicht, ob seinen militärischen Begleitern bei seiner Irakreise bewusst gewesen sei, dass er seine Twitter-Seite immer auf dem neuesten Stand gehalten habe, sagt Hoekstra. Aber es habe ihn auch niemand aufgefordert aufzuhören.

Vorschriften

Pentagonsprecher Darryn James erklärte, es sei Vorschrift im Pentagon, keine Details von der Reise einer Kongressdelegation zu veröffentlichen, bis diese ihr Ziel erreicht habe. Die Vorschriften würden jetzt im Hinblick auf neue Techniken wie Twitter überprüft, sagte James. (APA/AP)

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