Kampf um den kleineren Handykuchen

17. Februar 2009, 08:44
1 Posting

Nach Jahren satten Wachstums schrumpft der Handyabsatz. Vor allem mit Smartphones kämpfen bei der Handymesse Mobile World Congress die Handyhersteller um einen größeren Teil des kleineren Markts.

Nach außen hin ist die schöne neue Handywelt auch heuer in Ordnung beim Mobile World Congress, der größten Handymesse der Welt. Smartphones überall, die sich nach Art von Apples iPhone (glänzt wie immer durch Absenz und häufige Referenz durch andere Hersteller) über Touchscreens bedienen lassen. Vollmundige Rhetorik, wie unser Leben und unsere "Devices" immer mehr zusammenwachsen.

Probleme

Aber es geht der Handyindustrie heuer nicht gut. "Es ist bekannt, dass im heurigen Jahr erstmals nach vielen Wachstumsjahren der weltweite Handyabsatz zurückgehen wird", sagt Nokia-Boss Olli-Pekka Kallasvuo. Ende des Vorjahres hatte Nokia einen zehnprozentigen Stückrückgang prognostiziert, der durchschnittliche Verkaufserlös sinkt ohnehin seit Jahren. Am stärksten hat die Kombination aus Wirtschaftskrise und gesättigten Märkten bisher Motorola getroffen, das einen gigantischen Verlust von 3,6 Milliarden Dollar im vierten Quartal 2008 verzeichnete und vom zweiten auf den fünften Platz zurückfiel.

Konsumenten würden entweder auf Handys wie das iPhone oder Blackberry mit mehr Funktionen umsteigen, beobachtet der weltweit größte Mobilfunker Vodafone - oder in großer Zahl neue Käufe zurückstellen. Auch die Mobilfunker selbst geraten unter zunehmenden Druck, da nach der Senkung der Roaminggebühren für Gespräche jetzt die EU auch die Datendienste in die Zange nehmen will.

Marktanteil

Der Kampf um Marktanteile ist darum heuer besonders hart, da Wachstum nur noch möglich ist, wenn man dem Konkurrenten Kunden wegnimmt. Dabei sind die computerartigen Smartphones das bevorzugte Mittel der Auseinandersetzung. Während die asiatische Konkurrenz fast ausschließlich auf Touchscreens setzt, ist hier Nokia weiterhin im Hintertreffen: Derzeit gibt es nur das Musikhandy 5800, das N97 mit Touchscreen und großer Schiebetastatur kommt erst im Juni 2009.

Communicator-Nachfolger

In der Zwischenzeit glaubt Nokia, dass Messaging und damit verbunden Tastaturen seine große Stärke sind. In Barcelona präsentierte der finnische Hersteller, der immer noch fast 40 Prozent des Marktes hält, den Nachfolger seines langjährigen Büro-Flaggschiffs Communicator.

Das E75 bietet anstelle einer notebookartigen Klapptastatur eine Schiebetastatur über die volle Länge des Geräts mit der üblichen Qwertz-Anordnung der Tasten. Das E75 wird bereits im März um 375 Euro in den Handel kommen. Nokia hat auch sein bisheriges Erfolgsmodell E71 weiter abgespeckt und bringt mit dem E55 sein bisher dünnstes Handy mit blackberryartiger Qwertz-Tastatur auf den Markt.

Ovi

Weiterhin baut Nokia seinen Online-Dienst Ovi aus, der bisher vor allem Musik bot. Ein neues Ovi-Mailservice verleiht auch den üblichen privaten Mailkonten wie Yahoo, Gmail oder Hotmail eine Pushfunktion (automatische Abfrage). Und eine Anleihe nehmen die Finnen bei der Erfolgsgeschichte von Apples AppStore, der Spiele, Programme, E-Bücher und anderen Content zum Download bietet. Ein "völlig neuer Ovi Store" soll im Mai eröffnen und seine Angebote je nach Aufenthaltsort, bisherigen Einkäufen und Empfehlungen von Freunden strukturieren. (Helmut Spudich aus Barcelona, DER STANDARD Printausgabe, 17.02.2009)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.