Was Elsner wirklich dichtete

17. Februar 2009, 08:55
22 Postings

Kenner des in U-Haft sitzenden Ex-Bankers wissen, dass die ihm zugeschriebenen Zeilen nicht von ihm stammen können - Eine Glosse

"Mit Yen-Optionen allerdingos, die auch sehr geschätzt von US-Gringos!" - Helmut Elsners Häfn-Elegie: Eine Fälschung, keine Frage - so dreist wie plump. Pardon: So "grotesk", wie er wohl selbst sagen würde.

Dafür gibt es eine Unzahl an Indizien: Zu unterstellen, dass einem geerdeten Freund der Gewerkschaftsbewegung zwar ein Reim auf "Tumpel", aber keiner auf "Verzetnitsch" einfällt, ist beispielsweise eine unfassbare Gemeinheit des unbekannten Dichters. Und ein Einzelkämpfer wie Elsner hätte selbstverständlich niemals auch nur eine Sekunde daran gedacht, sich mit Paarreimen abzumühen.

Nein, jeder gewitzte Banker hätte zum Ausdruck seiner tief empfundenen Emotion naturgemäß den Kreuzreim gesucht, und gefunden hätte ihn ein vornehmer, umfassend eingebildeter Mensch wie Elsner selbstredend auch - und zwar im uralten europäischen Kulturgut des englischen Sonetts.

Wir von derStandard.at haben unsere guten Beziehungen zur Landesgerichts-Cafeteria spielen lassen, weshalb wir uns freuen, Ihnen hier exklusivst einen Einblick ins tatsächliche literarische Schaffen Helmut Elsners geben zu können. Und dies birgt wahrlich Sprengstoff in sich - beschuldigt Elsner doch darin keinen geringeren als seinen Mitangeklagten Wolfgang Flöttl schwer. Doch lesen Sie selbst:

 

"S'wird fad, Frau Rat"
(Helmut Elsner zugeschrieben)

Pardauz, wie dieses? Gnädigste Madame, mich haut's vom Hocker,
wie unverzagt Sie glauben, ich war überall dabei!
Erfüllte meine Pflicht doch nur; ein and'rer war der Zocker:
der Flöttl war's - Ihr Kronzeuge! Ihr Schoßhund, Ihr Lakai!

Warum sollt ich mit Nakowitz, mit Zwettler und mit Verzetnitsch
ein Blutbad mit Gewerkschaftsgeld riskiern? Frau Bandion-Ortner:
Was glauben Sie beizeiten, wer ich bin? Etwa der Nitsch?
Die Bombe, die sie platzen hören wollten: bloß von Schartner!

Melange aus Lug und Packelei, Ihr ganzes Strafverfahren!
("Ophelia" in "Jericho" - wer soll das bitte sein?)
Ich denk doch immer nur an meine Ruth mit blonden Haaren,
und red, wenn's sein muss, Wahres auch ins Plastiksackerl rein!

Die Bawag: Ein Parforceritt, ja, ein Käfig voll mit Tauben.
Doch Würfel, die gefallen? Nein! Ich kann's, ich will's nicht glauben...

(Martin Putschögl, derStandard.at, 17.2.2009)

Share if you care.