Weniger Betreuung für mehr Kinder

17. Februar 2009, 19:38
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Die Volksschule Bendagasse soll künftig ihren Hort verlieren - ein Verein übernimmt die Betreuung. Eltern beklagen, dass die Betreuer weniger und zudem schlechter ausgebildet sein sollen

Wien - Wer eine geeignete Nachmittagsbetreuung für sein Kind gefunden hat, kann sich glücklich schätzen. Monika Kühhas war bisher äußerst zufrieden mit dem Hort der Volksschule Bendagasse in Wien-Liesing. Ihr Sohn, der die dritte Klasse besucht, werde dort "wirklich individuell gefördert".

Doch damit könnte es mit kommendem Schuljahr vorbei sein, fürchtet Kühhas. Der Hort soll nämlich in der derzeitigen Form nicht weitergeführt werden. Auch Ernst Freyenschlag - sein Sohn besucht eine Integrationsklasse an derselben Volksschule - fürchtet, dass auf die speziellen Bedürfnisse seines Kindes künftig nicht mehr entsprechend eingegangen werden wird.

Ganztägige Schulform

Die Volksschulen Bendagasse und Erlaaer Schleife im 23. Bezirk sollen ab Herbst 2009 im Rahmen eines Pilotprojekts zu "offenen Schulen" werden. Das würde bedeuten, dass der Hort in seiner jetzigen Form geschlossen wird. Die Nachmittagsbetreuung übernimmt der Verein Wiener Kinder- und Jugendbetreuung, eine 100-Prozent-Tochter der Stadt. Die "offene Schule" ist eine ganztägige Schulform - nach dem Unterricht gehen die Kinder essen, danach ist Hausaufgabenstunde und im Anschluss betreute Freizeit.

Was die betroffenen Eltern besonders irritiert, ist der Betreuungsschlüssel. Gruppen mit 25 Kindern wurden bisher von zwei Hortpädagoginnen betreut, bei Integrationsgruppen kam auf fünf Kinder eine Betreuerin. In der "offenen Schule" käme auf 19 Kinder eine Betreuerin. Während der Ferien und an schulautonomen Tagen gäbe es keine Betreuung an dem gewohnten Standort mehr. Außerdem, so die Befürchtung der Eltern, würden gut ausgebildete Hortpädagoginnen durch schlecht qualifizierte Freizeitbetreuerinnen ersetzt, die gerade einmal eine viermonatige Ausbildung absolviert haben.

"Die Umstellung bedeutet für viele Kinder eine Verschlechterung", sagt Claudia Smolik, die Kinder- und Jugendsprecherin der Wiener Grünen. Für Integrationskinder gebe es bisher kein Konzept, wie diese künftig adäquat betreut werden könnten.
Für den Betreuungsverein sind derzeit rund 500 Freizeitbetreuerinnen an 80 Wiener Schulen tätig, sagt Geschäftsführerin Brigitte Kopietz. Für Kinder mit besonderem pädagogischen Bedarf gebe es speziell geschultes Personal.
Die Änderung der Nachmittagsbetreuung in der Bendagasse stehe noch gar nicht endgültig fest, heißt es bei der zuständigen MA10. Es solle für alle die beste Lösung gefunden werden. Die Direktorin der Volksschule war auf Anfrage des Standard zu keiner Stellungnahme bereit. (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD-Printausgabe, 17.2.2009)

  • Kinder, die bisher auch während der Ferien gemeinsam in einem Hort betreut wurden, müssten künftig auf verschiedene Standorte ausweichen. Das befürchten die Eltern in der Volksschule Bendagasse.
    foto: christian fischer

    Kinder, die bisher auch während der Ferien gemeinsam in einem Hort betreut wurden, müssten künftig auf verschiedene Standorte ausweichen. Das befürchten die Eltern in der Volksschule Bendagasse.

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