Arzt nach tödlicher Operation in Privatklinik vor Gericht

16. Februar 2009, 18:22
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Mediziner soll Magenblutung zu spät behandelt haben

Innsbruck - Es hätte eine Operation an der Speiseröhre seiner Patientin werden sollen, kein großer Eingriff, dachte sich der Chirurg einer Innsbrucker Privatklinik offenbar. Am Montag stand der 47-jährige Mediziner vor dem Landesgericht in Tirols Hauptstadt - wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Umständen. Denn die Kranke war im April 2007 an einem Riss der Bauchaorta verblutet. Dem Mediziner wurde unter anderem zur Last gelegt "ohne ausreichende fachgerechte medizinische Abklärung" und unter Mithilfe von zwei "nicht ausreichend qualifizierten" Assistenzkräften den Tod einer Patientin herbeigeführt zu haben.

Der Chirurg habe auf Hinweis der bei der Operation anwesenden Anästhesieärztin, dass die Sauerstoffsättigung der Patientin auffallend sei, zunächst eine Blutungsquelle im Bauchraum mittels Kamera ausschließen wollen. Stattdessen hätte der Chirurg laut Anklage aber eine "notfallmäßige Eröffnung des Bauchraumes" durchführen sollen. Dies sei erst geschehen, als der zweite herbeigerufene Anästhesiearzt dies vorgeschlagen habe. Während der Reanimation habe er auch "keine Anstrengung unternommen", etwas gegen die Blutung zu unternehmen.

Der Mediziner schilderte bei der Verhandlung, dass er alle notwendigen Untersuchungen für die Diagnose im Vorfeld durchgeführt habe. Weltweit sei es Usus, einen derartigen Eingriff ohne medizinisches Fachpersonal durchzuführen. Auf den Vorwurf, zu spät reagiert zu haben, entgegnete der Chirurg, dass er "fachgerechte Notfallmaßnahmen" ergriffen hätte und "erst nach und nach ausschließen musste, was genau vorliegt. Erst im Nachhinein konnte geklärt werden, dass ein Riss der Bauchaorta vorlag", erklärte der Chirurg. Der Prozess wurde für weitere Zeugenbefragungen vertagt. (red/DER STANDARD-Printausgabe, 17.2.2009)

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