Präsident und Wahlkämpfer in Permanenz

16. Februar 2009, 18:14
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Hugo Chávez hat wieder ein Referendum gewonnen.

Mit Worten des Heiligen Paulus gelobte Venezuelas Präsident Hugo Chávez in der Nacht seines Siegs im Referendum, dass er sich für das Wohl des Volkes opfern werde. Und quasi-religiös ist auch die Verehrung, die der Staatschef bei mehr als der Hälfte der Bevölkerung des südamerikanischen Landes seit zehn Jahren genießt. Am Sonntag bejahten 54 Prozent die Frage, ob er sich über das Jahr 2012 hinaus weiter um die Fortsetzung seiner Präsidentschaft bewerben darf. Zwischendurch erlebte der ehemalige Offizier aber auch herbe Niederlagen. 2007 ging ein Referendum über eine umfassende, sozialistische Verfassungsreform gegen ihn aus, 2008 verzeichnete die Opposition in reichen Provinzen und in der Hauptstadt Caracas Wahlerfolge. Die schiere Zahl der Wahlen und Volksabstimmungen - 14 in zehn Jahren - widerlegt die Behauptung, dass Chávez eine Diktatur errichtet habe.

Kenner Venezuelas meinen aber, dass es der 54-jährige Chávez mit der jüngsten Abstimmung eilig gehabt habe, weil seine Popularität sinke. Das Los der Menschen in den Armenvierteln ist in seiner Amtszeit zweifellos erleichtert worden, sie sind aber immer noch arm. Gleichzeitig hat der durch erhöhte Staatsausgaben der "bolivarianischen Revolution" entfachte Konsumboom neureiche "Boli-Bourgeois" hervorgebracht, die mit neuesten Geländewagen durch die verstopften Straßen fahren. Wegen des gefallenen Ölpreises droht die Fiesta nun vorbei zu sein.

International kann sich Chávez damit brüsten, dass er den als "Teufel" bezeichneten US-Präsidenten George W. Bush überdauert hat. Mit Barack Obama kann er sich Gespräche vorstellen.

"Bekehrt" wurde auch der weltbekannte peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa, der Chávez zunächst als "Clown" bezeichnet hat, nun aber meint, dass er ein "raffinierter Stratege" sei. Dieses Fazit zog der Peruaner aus der Lektüre neuer Chávez-Biografien. Danach habe sich der als zweites von sechs Kindern einer Lehrerfamilie Aufgewachsene früh mit politischer Literatur beschäftigt, etwa mit dem russischen Revolutionär Georgi Plechanow.

Nachhaltig beeindruckt habe ihn aber der Argentinier Juan Perón (1895 -1974), das Urbild des Populisten. Chávez trat am Sonntag zwar mit seinen vier Kindern aus zwei Ehen und auch mit seinen Enkeln auf, "Evita" gibt es an seiner Seite aber keine. "Hurrikan Hugo" sorgt selbst für die emotionale Komponente und ruft die Venezolaner im peronistischen Stil des "Alles oder nichts" alle paar Monate zur Loyalitätserklärung an die Urnen. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2009)

 

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