Nordkorea: Ein Test für Obama

16. Februar 2009, 18:07
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Nordkoreas Führung nutzt jedes Zeichen der Schwäche und Unentschlossenheit aus

Dass die Nordkoreapolitik des früheren US-Präsidenten George W. Bush ein einziges Debakel war, gibt mittlerweile sogar der versprengte Haufen der Neokonservativen zu. Unter Bushs Präsidentschaft ist durch langes Zuwarten das Rahmenabkommen zur Denuklearisierung von 1994 zusammengebrochen, Nordkoreas Militär hat eine Atombombe getestet, und das Gerede von der "Achse des Bösen", den "Außenposten des Terrors", die Washington bekämpfe, und vom schier unaufhaltsamen "Marsch der Freiheit" auf der ganzen Welt blieb ohne Folgen. Im Gegenteil: Bush hat am Ende doch mit Pjöngjang verhandelt.

Die Frage ist, welche Lehren Bushs Nachfolger aus dem Scheitern in Nordkorea zieht. Folgt man Kommentaren und Ankündigungen aus der Regierung von Barack Obama, gibt es drei gute Ratschläge für eine Nordkoreapolitik: kein Fuchteln mit der Moral-Keule, kein Aussitzen und Abwarten, kein "downgrade" bei diplomatischen Verhandlungsführern. Hillary Clinton, die nun als Außenministerin ihre erste Reise durch Fernost angetreten hat, klang schon ganz in dieser Richtung - alles sei möglich, wenn Nordkorea nur an der vereinbarten nuklearen Abrüstung festhalte, sagte sie.

Einen vierten Ratschlag gibt es aber auch: freundlich Stärke zeigen. Nordkoreas Führung, so bewiesen die vergangenen Jahre und übrigens auch Bill Clintons Präsidentschaft, nutzt jedes Zeichen der Schwäche und Unentschlossenheit aus, um ihre Forderungen zu erhöhen. Der sich nun ankündigende Test einer Langstreckenrakete in Nordkorea wird so auch zu einem politischen Test für die Regierung Obama. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2009)

 

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