"Bayern nicht mehr Favorit"

16. Februar 2009, 18:13
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Für Beckenbauer sind die Münchner nicht länger Titelfavorit. "Alle fünf oder sechs führenden Teams können die Schale holen" - Hertha stapelt tief, der HSV hoch

München - Für Bayern-München-Präsident Franz Beckenbauer ist der deutsche Fußball-Bundesliga-Meister nicht mehr Titelfavorit. "Alle fünf oder sechs führenden Teams können die Schale holen", sagte der "Kaiser". Die Bayern liegen nach 20 Runden mit 38 Punkten hinter Hertha BSC (40), 1899 Hoffenheim (39) und dem Hamburger SV (39) sowie vor Bayer Leverkusen (36) nur auf Rang vier. "So langt es weder in der Bundesliga noch in der Champions League", kritisierte Beckenbauer die Leistung der Münchner bei der 1:2-Niederlage gegen den Tabellenführer.

Toni-Verletzung als Chance für Podolski

Die Münchner haben zudem mit der Verletzung von Luca Toni zu kämpfen. Der italienische Teamstürmer musste gegen die Hertha nach 30 Minuten mit einer Reizung der Achillessehne im rechten Fuß vom Platz und ist auch für die kommenden Partien fraglich. "Wir müssen aufpassen, dass es nicht chronisch wird", meinte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Deshalb könnte der seit drei Monaten im Abseits stehende Edelreservist Lukas Podolski ausgerechnet gegen den 1. FC Köln in den Kader der Münchner zurückkehren. "Ein Poldi in Bestform kann immer ein Spiel entscheiden", ist sich auch Beckenbauer bewusst.

Im Lage des Tabellenführers will man von einem Titelgewinn noch nichts wissen. "Wir haben am wenigsten investiert, sogar weniger als Aufsteiger. Da können wir uns mit Bayern oder Schalke nicht vergleichen", meinte Hertha-Coach Lucien Favre. Er verspüre auch keinen speziellen Druck. "Wir müssen soweitermachen, immer mit kleinen Fortschritten", sagte der Schweizer.

Woronin steht hoch im Hertha-Kurs

Beim Tabellenführer sind die Zukunfts-Personalplanungen bereits voll im Gange, Hauptaugenmerk liegt auf der Weiterverpflichtung von Andrej Woronin. "Wir werden uns lang machen müssen", glaubt Hertha-Manager Dieter Hoeneß an harte Verhandlungen. Der sechsfache Torschütze ist von Liverpool bis Saisonende ausgeliehen, die Ablöse soll bei fünf Millionen Euro liegen.

Kritik am Spielstil der Berliner kam jedenfalls von den Bayern. "Einen Mauer-Meister will man nicht sehen", meinte Beckenbauer. Und Coach Jürgen Klinsmann fügte hinzu: "Hertha ist eine Mannschaft, die rein destruktiv agiert."

Auf Rang zwei liegt derzeit Winterkönig 1899 Hoffenheim, bei dem mit Andreas Ibertsberger ein ÖFB-Teamspieler zum Stammpersonal zählt. "Den FC Bayern werden wir sicher nie herausfordern können", sagte Vereinschef Dietmar Hopp am Montag. Das fange an mit der Größe des Stadions (Anm./Die Münchner Allianz-Arena fast 68.000, die Rhein-Neckar-Arena 30.000 Zuschauer). "Außerdem hat Bayern 150.000 Vereinsmitglieder, wir werden demnächst die 3.000-Mitglieder-Marke erreichen", betonte der Milliardär. Der deutsche Rekordmeister hätte zudem deutlich höhere Einnahmen aus dem Trikotsponsoring und den Fernsehgeldern.

HSV wittert Chance

Im Gegensatz zur Hertha ist beim drittplatzierten HSV der siebente Titelgewinn durchaus ein Thema. "In dieser Saison ist viel drin, alle nehmen sich gegenseitig die Punkte weg. Und wenn Bayern weiterhin so schwächelt, ist sowieso richtig was drin", meinte HSV-Torschütze Piotr Trochowski nach dem 2:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld. Und Goalie Frank Rost meinte: "Wenn wir die Fehler der letzten Woche abstellen und persönliche Dinge bis Ende Mai hinten anstellen, kommt der Rest von ganz alleine." (APA/dpa)

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    Bayern Präsident Beckenbauer und Hoffenheim-Boss Hopp - Titel-Favorit will keiner mehr sein.

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