"Fühle mich nicht würdig genug"

16. Februar 2009, 17:57
10 Postings

Dass ein designierter Weihbischof Wochen vor seiner Weihe auf das Amt verzichtet, ist etwas Bemerkenswertes

Dass ein designierter Weihbischof Wochen vor seiner Weihe auf das Amt verzichtet, ist schon etwas Bemerkenswertes. Dass der Kandidat mitten im Festgottesdienst abspringt, ist wohl einmalig: So geschehen am 23. April 1950. Franz Jachym, damals 49 Jahre alt und Professor für Moraltheologie an der Uni Wien, verließ vor der Erteilung des Weihesakraments den Wiener Stephansdom. Er „fühle sich für das hohe Bischofsamt nicht würdig genug", sagte er - und ging.

Jachym sollte wenig später - nach einem Gespräch mit Papst Pius XII. - in Rom doch zum Bischof geweiht werden. Die wahren Gründe für seine Aktion kamen nie ans Licht (Jachym verstarb 1984), offenbar wollte er nicht in Intrigen gegen Kardinal Theodor Innitzer, zu dessen Koadjutor er Anfang 1950 ernannt wurde, verwickelt sein.

In Linz wurde im Juni 2006 die Weihe des damals einzigen diözesanen Priesterkandidaten Andreas Golatz abgesagt. Golatz hatte im Standard-Interview zum „Aufstand gegen Rom" aufgerufen und wurde erst nach einer zweimonatigen Bedenkzeit geweiht. (mro, pm, DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2009)

Share if you care.