Ferrero im Zwielicht bei Hallein-Schließung

16. Februar 2009, 17:54
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Kommissarin war Aus der Papierfabrik bekannt - Salzburg bekämpft Absprachen

Wien - Benita Ferrero-Waldner sorgt in ihrer Heimat Salzburg kurz vor der Landtagswahl für Unmut. Die EU-Kommissarin hat die Übernahme von M-real durch Sappi genehmigt - in weiterer Folge wird der Standort Hallein geschlossen. In der dem STANDARD vorliegenden Entscheidung wird das Aus von Hallein gleich zweimal erwähnt: "Die Parteien beabsichtigen, die Produktion von holzfrei gestrichenem Papier in Hallein und Gohrsmühle nach der Transaktion zu beenden."

Ferrero-Waldner sieht sich für die Freisetzung von 475 Mitarbeitern wegen der Schließung des Werks dennoch nicht verantwortlich: Die Entscheidung sei von der zuständigen Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes ausgearbeitet und von ihrer österreichischen Kollegin in Vertretung unterschrieben worden, betont Ferrero-Sprecherin Christiane Hohmann. Inhaltlich sei Ferrero-Waldner mit der Materie nicht vertraut gewesen, so Hohmann. Der Abschluss von Verfahren für andere Kollegen sei in Brüssel Gang und Gäbe.

Überdies verteidigte sich die österreichische Kommissarin in einem Brief an Salzburgs Arbeiterkammer-Präsidenten Siegfried Pichler: Ohne ihre Unterschrift wäre der Fall automatisch genehmigt gewesen.

Die Hoffnung lebt

Salzburg hat die Hoffnung noch nicht ganz verloren. Einerseits wurde eine Kartellbeschwerde bei der EU-Kommission zwischen Sappi und M-real eingebracht. Es wird vermutet, dass die Schließung Teil einer Absprache zur Kürzung von Kapazitäten war. Mit der Übernahme wurde bereits ein "Non-Compete-Agreement" (eine Art Nichtangriffspakt) zwischen den beiden Gruppen, die nur eine Teilfusion vollziehen, genehmigt. Ein Besuch von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller bei Kroes kann derzeit von ihrem Büro "nicht bestätigt" werden. Verbittert ist die Landesregierung vor allem darüber, dass M-real den Verkauf des Standorts ablehnte.

Die größte Hoffnung für den Standort ruht auf einer Ansiedlung von Lenzing, die in Hallein in die Zelluloseherstellung einsteigen soll. Gespräche beginnen jetzt. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2009)

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    Ferrero-Waldner liefert Munition für den Wahlkampf.

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