Windischgarsten hält zu Pfarrer Wagner

16. Februar 2009, 17:52
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Oberösterreichs Dechanten: "Untersuchungskomission" soll Ernennung aufarbeiten

"Habemus episcopum - Wir sind Weihbischof" zierte auch am Montag noch die Homepage der Pfarre St. Jakob in Windischgarsten. Darunter der Link „Unser designierter Weihbischof im Pressegespräch". Abseits der Cyberwelt hat die Realität aber mittlerweile auch die Bewohner der kleinen Gemeinde im Garstnertal eingeholt. Vorbei ist es mit der bischöflichen Vorfreude, der Ausflug von Hochwürden in höhere diözesane Sphären währte nur kurz. Gerhard Maria Wagner wird nun doch nicht Weihbischof, in Windischgarsten ist der Frust groß.

Für Pfarrgemeinderatsobmann Stefan Edelsbacher ist die nunmehrige Situation „eine unglaubliche Sauerei". Wagner hätte für die „gesamte Kirche etwas bewegen können", ist Edelsbacher überzeugt. Der 34-Jährige sieht eine „Riesenchance" vertan, habe doch der Geistliche auch in Windischgarsten „irrsinnig viel geleistet".

Es sei „eine Frechheit", macht auch die Windischgarstnerin Johanna Reiter ihrem Ärger Luft. Immer sei im Ort klar gewesen, dass der Pfarrer „zu etwas Höherem berufen ist". Er sei für alles zu haben und zu motivieren, so Reiter, die nicht versteht, dass Diözesanbischof Ludwig Schwarz sich nichts sagen traue: „In unserer Gesinnung stinkt es gewaltig."

Konservative Verschnaufpause

Jene konservativen Verbündeten, denen Wagner die eigentliche Bestellung zum Weihbischof zu verdanken hatte, gaben sich nach Wagners Rückzug ungewöhnlich wortkarg. Es sei „die persönliche Entscheidung" Wagners gewesen, merkte der Obmann des „Linzer Priesterkreises", Josef Bauer, an.

Für die weitere Vorgangsweise schlägt Bauer nun eine Verschnaufpause vor, bis sich die Wogen geglättet haben. Wenn es keinen Weihbischof gebe, wäre das allerdings „schwierig" für Schwarz. Die Entwicklung sehe er als Ausdruck der derzeitigen Haltung in der Diözese Linz. Bauer: „Mir als ehemaligem Rom-Pilger tut das weh." Der Kritik, dass der Dreiervorschlag, den Diözesanbischof Ludwig Schwarz nach Rom geschickt hat, ignoriert worden sein dürfte, will Bauer sich nicht anschließen: „Rom hat den größeren Überblick."

Damit will sich Helmut Part, Stellvertreter des zurzeit im Ausland weilenden oberösterreichischen Generaldechanten Franz Wild, nicht zufriedengeben. Part fordert „eine Art Untersuchungskommission", die klären soll, welche „graue Eminenz" sich in Rom für die Ernennung Gerhard Maria Wagners zum Linzer Weihbischof stark gemacht hat. Er zolle Wagner aber für seinen Schritt „Hochachtung". Die Dechanten der Diözese Linz hatten der Weihe Wagners vergangene Woche „aus Sorge um die Glaubwürdigkeit der Kirche und die Einheit unserer Diözese" mit einer Mehrheit von 31 zu vier Stimmen ihre Zustimmung verweigert.

Mit „Bedauern" nahm man hingegen den Abgang Gerhard Maria Wagners innerhalb der FPÖ hin. Die Kirche gehe vor einer „gemischten Jagdgesellschaft aus Linkskatholiken, Agnostikern und Kirchenfeinden, deren Ziel nicht die Person Wagners, sondern die katholische Hierarchie und das Papstamt sind, in die Knie". (red, DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2009)

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