"So günstig wie nie"

18. Februar 2009, 16:45
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Über Konsum ohne Kredit und viel Cash, Sicherheiten und die Verschrottungsprämie

Wien - 2008 konnte am Leasing-Markt ein Wachstum von rund vier Prozent erzielt werden (hier weiterlesen). Das Interesse der Wirtschaft an Leasing-Finanzierungen halte sich auch Anfang des Jahres stabil. Für 2009 sei es, auch saisonbedingt, noch viel zu früh für Prognosen, angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage stünden außerdem viele Investitionsentscheidungen auf dem Prüfstand, erklärt Rudolf Fric, Präsident des Verbands der österreichischen Leasinggesellschaften im Gespräch mit derStandard.at.

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derStandard.at: Wird das Prinzip "Mieten statt Kaufen" in Zeiten der Wirtschaftskrise interessanter?

Rudolf Fric: Ja, denn mit Leasing können Investitionen ohne Verlängerung der Bilanzsumme, somit ohne Verschlechterung der Eigenkapitalquote vorgenommen werden, was sich gut auf das Rating bei der Bank, somit auf die Höhe des eingeräumten Limits und die Konditionen auswirkt.

Da bei Leasing das finanzierte Objekt die eigentliche Sicherheit darstellt, kann oft auf zusätzliche Sicherheiten wie Mithaftungen, Verpfändungen und dergleichen verzichtet werden und die Sicherheiten bleiben frei für Blanko-Finanzierungslinien wie etwa den Betriebsmittelrahmen bei der Hausbank. Für Privatkunden ist Leasing eine empfehlenswerte Alternative, um einen Neuwagen mit relativ niedrigen monatlichen Kosten zu fahren.

derStandard.at: Ist eine restriktivere Kreditvergabe Anreiz für Konsumenten und Unternehmen, verstärkt Leasing-Angebote in Anspruch zu nehmen?

Fric: Auch beim Privatkunden gilt, dass bei Leasing die Objektsicherheit im Vordergrund steht und durch Leasing der Spielraum bei der Bank erhalten bleibt - sei es, indem der Überziehungsrahmen nicht strapaziert wird oder die Spareinlagen für überraschende Aufwendungen zur Verfügung stehen.

derStandard.at: Glauben Sie, dass auch für Private beispielsweise das Leasen von Elektrogeräten oder dergleichen interessanter wird? Könnte dieses Segment an Bedeutung gewinnen?

Fric: Eher nein. Auf Grund der Stückkosten eines Leasingvertrages sind kleinere Konsuminvestitionen unter etwa 3.000 Euro meistens nicht attraktiv zu bepreisen - da kommt es günstiger, zum Beispiel das Konto zu überziehen.

derStandard.at: Wie sieht es mit Sale-and-Lease-Back-Geschäften, sowohl bei Unternehmen als auch bei Kommunen, aus?

Fric: Die Anfragen für Sale-and-Lease-Back nehmen derzeit zu. Dabei steht im Vordergrund, stille Reserven im Anlagevermögen freizusetzen und das betreffende Objekt zurück zu leasen. Meist sind es Liegenschaften, die seit Jahrzehnten dem Unternehmen beziehungsweise der Kommune gehören und einen niedrigen Buchwert im Vergleich zum Marktwert haben.

Die Vorteile von Sale-and-Lease-Back sind, dass sich die Bilanzsumme verkürzt, ein hoher Veräußerungsgewinn entsteht und frische Liquidität zufließt, mit der
teils teure Verbindlichkeiten zurückbezahlt werden können. Selbstverständlich wird die Leasinggesellschaft einen Schätzgutachter Ihres Vertrauens zur Bewertung des Objekts beiziehen. Der Veräußerungsgewinn sollte aber im Unternehmen verbleiben und zur Stärkung der Eigenkapitalbasis eingesetzt werden. Der Steuerberater sollte jedenfalls beigezogen werden.

derStandard.at: Sind bei der Sparte Auto-Leasing schon die Auswirkungen der weltweiten Absatzkrise spürbar?

Fric: Natürlich wirkt sich die verhaltene Kfz-Nachfrage auch auf die Nachfrage nach Kfz-Leasing aus, insbesondere bei Privatkunden, aber auch bei Firmenkunden, die ihre Fuhrparkautos zum Beispiel einige Monate später austauschen.

derStandard.at: Wie ist die Verschrottungsprämie aus Ihrer Sicht einzuschätzen?

Fric: Die Verschrottungsprämie ist - nach unserer Intervention im Finanzministerium - auch für den Umstieg auf ein geleastes Neufahrzeug anwendbar. Einen deutlichen Anreiz zum vermehrten Autokauf erwarte ich aber nicht.

derStandard.at: Spüren Auto-Leasing-Gesellschaften im Speziellen, Leasing-Gesellschaften generell, bereits Einschränkungen bei der Refinanzierung? Wirkt sich das nicht automatisch auf die Preisgestaltung aus?

Fric: Die Refinanzierungsbedingungen der Leasinggesellschaften hängen sehr stark vom Konzernverbund ab, zu dem sie gehören. Durch den rapiden Rückgang der relevanten Euribor-Sätze (Anm. meist 3- oder 6-Monats-Euribor) wurden die erhöhten Liquiditätskosten in der Regel bei weitem überkompensiert. Das heißt, trotz erhöhter Liquiditätskosten, die in den Konditionen weiter gegeben werden müssen, ist Leasing heute so günstig wie noch nie beziehungsweise schon lange nicht.

derStandard.at: Auch für die Leasingbranche galt Osteuropa als "Wachstumsmotor". Haben sich die Perspektiven nun verschoben?

Fric: Einer Leasinggesellschaft geht es immer nur so gut wie ihren Kunden - da unterscheiden sich Bank- und Leasinggeschäft wenig. Dies gilt im Besonderen für einige osteuropäische Länder, die es besonders schwer erwischt hat. Grund zu einer undifferenzierten Sorge sehe ich aber nicht, man muss die Chancen und Risiken länderweise beurteilen. Eine allgemeine Verunsicherung über die Entwicklung des CEE-Raums wäre ein völlig falsches Signal. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass CEE mittel- und langfristig gesunde Wachstumsperspektiven bietet, die Maßstäbe werden aber strenger werden. (Daniela Rom, derStandard.at, 18.2.2009)

Zur Person

Rudolf Fric ist Präsident des Verbands Österreichischer Leasing-Gesellschaften (VÖL) und Geschäftsführer bei der Bawag P.S.K. LeasingGmbH.

  • In Zeiten der Wirtschaftskrise wird Leasing sowohl für Private als auch für Unternehmen interessanter, erklärt Rudolf Fric im derStandard.at-Interview.
    foto: bawag p.s.k. leasing

    In Zeiten der Wirtschaftskrise wird Leasing sowohl für Private als auch für Unternehmen interessanter, erklärt Rudolf Fric im derStandard.at-Interview.

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